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Freitag, 24. März 2006 17:07
Angies Kicker

Wann immer die niederländische Fußball-National-Mannschaft ein immens wichtiges Spiel auszutragen hat, ist für den Inhaber einer kleinen Videothek in Kerkrade das Vorgehen klar: An die Ladentür hängt er ein mittlerweile schon ein bisschen abgeranztes Papp-Schild, auf dem steht, das Geschäft sei aufgrund einer "zaak van nationale belanging" geschlossen und geht dann gemütlich Kicken gucken.


In Deutschland werden Sachen von nationaler Wichtigkeit dagegen seit einem knappen Monat ganz anders behandelt. Denn die Abgeordneten des Bundestages begreifen sich als weisungsbefugte Vorgesetzte des deutschen Bundestrainers und sind als solche nun schon seit Wochen damit beschäftigt, die deutsche Nationalmannschaft zu retten. Es gehe "um ein nationales Anliegen. Nicht die Frage, ob eine Mannschaft einmal schlecht spielt, sondern: Wie präsentiert sich Deutschland", erklärte beispielsweise Miriam Gruß (FDP). Dazu, so Reinhold Hemker (SPD), gehöre ganz unbedingt auch, dass der Nationaltrainer dem Bundestag endlich einmal seine geplante Aufstellung - vermutlich zur Abstimmung - vorlege, denn "die WM steht vor der Tür, da muss langsam mal klar sein, wer spielt. Klinsmann soll endlich sagen, auf wen er setzt." Schließlich sind die Volksvertreter auch die gewählten Repräsentanten der Fernsehzuschauer, und als solche dafür verantwortlich, dass den Fans auch gefällt, was sie zu sehen bekommen, wie Michael Glos (CSU) eindringlich beschrieb: "Wir erwarten, dass bei der WM Spiele stattfinden, bei denen die Leute nicht abschalten."
Seinem Koalitionskumpel Peter Müller blieb es dann überlassen, die vorbildliche, große Vision anläßlich der WM sehr eindringlich zu zu fordern: "Mit Blick auf die WM braucht Deutschland eine gemeinsame Kraftanstrengung, alle müssen sich jetzt zusammenraufen!" Um dann dann aber bereits zwei Sätze später einen völlig unverständlichen Rückzieher zu machen und sich einfach so aus der nationalen Verantwortung zu stehlen: "Wir sollten die Trennung von Politik und Sport beachten. Fußball ist zwar ein nationales Anliegen, aber die Organisation desselben ist Sache des DFB und nicht der Politik."
Nun ist die Tatsache, dass es sich bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft um eine Ansammlung nur mäßig kicken könnender Jungs mit dem A-Skill Deutschen-Pass-Haben handelt, nicht wirklich neu. Wer hat diesen Möchtegern-Polit-Trainern eigentlich eingeredet, dass die Fußball-Welt es irgendwie traurig und schade fände, wenn das WM-Gastgeberland sich nicht ins Finale tölpeln würde, sondern zwei sympathische und fähige Teams die Sache unter sich ausmachten?
Vielleicht liegts einfach nur daran, dass man Bundeskanzlerin Angela Merkel im Gegensatz zur ihren Vorgängern einfach nicht zutraut, während der Halbzeitpause eines WM-Spiels in der Kabine die richtigen Worte zu finden oder vielleicht liegt es auch daran, dass insgeheim selbst ihre Parteikollegen glauben, dass eine Frau an der Spitze das Fußball-Karma so richtig versaut - schließlich ist noch kein Land, in dem eine Frau den Regierungsvorsitz innehatte, anschließend jemals auch nur ins Finale gekommen. Indien, Pakistan, Island, Israel, Norwegen, alle nicht qualifiziert, und auch das Mutterland der Kickerei hat seit Maggie Thatcher ungefähr jedes einzelne entscheidende Elfmeterschießen gründlich verkackt.
Und so wird es wohl nicht mehr lange dauern, bis die Polit-Verantwortlichen der Bundeswehr das WM-Mandat überantworten, denn zum einen ist die Truppe durch zahlreiche Einsätze im sie nicht dort haben wollenden Ausland den Umgang mit äußerst bockigen Menschen schon gewöhnt und zum anderen dürfte sich die Anwesenheit einiger schwer bewaffneter Eliteeinheiten beim Standard-Training und vor allem auch bei Läufen


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