Ein reines Freizeitprojekt zu sein, hat einige Vorteile. Man kann sich seine Zeit nach Belieben einteilen und muss nicht auf Parties verzichten. Und schon gar nicht muss man in einem dieser useligen Start-Up-Büros sitzen, in denen der legere Umgangston ebenso wie die kalkuliert-bohemianeske Inneneinrichtung den wahren Existenzgrund des jeweiligen Dot-Coms nur unzureichend verschleiern: Geld verdienen, schnell Geld verdienen, und das unter den Bedingungen des Manchester-Kapitalismus, allerdings mit kostenlosem Bio-Apfelsaft für alle. Ein "Just for fun"-Freizeitprojekt zu sein, hat allerdings auch einen gewaltigen Nachteil, nämlich den eines gewissen Technik/Kommunikations-Overloads - in der eigenen Wohnung.
Fünf Rechner und vier Handys, dazu mehrere Festnetznummern (sowie ein Billig-Tamagotchi, dessen Bedienungsanleitung bedauerlicherweise lediglich in chinesisch abgefasst worden war und das daher zwar vernachlässigt, aber auch unsterblich ist, wie es alle paar Wochen mit schrillem Gebrüll nachdrücklich klar macht) ergeben zusammengenommen viel Klingeln, Piepsen, Blinken. Und genau so viel Kommunikation. Nicht während, sondern statt. Statt Essen, statt Filmgucken, statt Lesen, denn natürlich geht es immer um etwas extrem Wichtiges. "Mach´s Model" zum Beispiel, "Wo sind die Mocks?", "Mach ordentliches MVC". Und manchmal um "Halt die Fresse, blödes Tamagotchi, selbst schuld, wenn Du Dir keine ordentliche Bedienungsanleitung hast mitgeben lassen", aber das ist eine andere Geschichte. Immerhin, es gibt sie, die Deadline, diesen Silberstreifen am Horizont, der davon kündet, dass bald Schluss sein wird mit dem Klingeln, Blinken, Piepsen, dem telefonischen Coder-Kauderwelsch, den Skype-Sitzungen und überhaupt. Dann wird aus dem GameProject ein Game und gemütlich gedaddelt. Das blöde Tamagotchi-Dings wird diesen Tag allerdings garantiert nicht erleben.