Die Ahnung kommt nicht von ungefähr, denn einer der beiden Schauspieler verkörpert den ehemaligen finnischen Weltklasse-Skispringer Matti Nykänen, dessen notorisch alkoholbedingten Ausfälle es noch immer in die weltweiten Schlagzeilen schaffen. Das war nicht immer so. Zu seiner aktiven Zeit war der viermalige Olympiasieger und siebenmalige Weltmeister zwar ein ebenso unverbesserlicher Troublemaker, aber alle seine Ausfälle und besoffenen Idiotien wurden vom finnischen Verband sorgfältig unter Verschluss gehalten. Und so wird es nicht öffentlich, wenn Matti sich lieber mit seinem Kumpel, dem großsprecherischen Voll-Asi Nikke in einer Bar zulaufen lässt, als beim Empfang des Bürgermeisters seines Heimatortes zu erscheinen, wenn beide gemeinsam im Suff die Cafeteria des Trainingslagers verwüsten, wenn er die Ausgangserlaubnis missachtet und betrunken Mädchen aus der Disko mit ins Mannschaftsquartier nimmt.
Ob Matti (Jasper Pääkkönen) damals noch hätte geholfen werden können ist jedoch unklar, denn eine der Schlüsselszenen des Films zeigt drastisch die innere Leere des Superstars. Auf die Frage seines besorgten Trainers, wie er sich denn das Leben nach dem Sport vorstelle, antwortet der zunächst nicht. Erst als der Coach insistiert, weiß Matti, welche weitere berufliche Karriere er dann anstreben will: "Skispringer".
Und so lebt Matti, der schlichte Skispringer, als gebe es kein Morgen. Im sicheren Bewusstsein seines Starruhms lässt er sich vom Kleinkriminellen Nikke nicht nur regelmäßig zu Saufgelagen überreden, sondern investiert auch bereitwillig Geld in jede Schnapsidee, mit der der ihm kommt. Mit dem Erfolg, dass die Millionen, die Nykänen während seiner aktiven Zeit verdient hat, im skisprunglosen Folgeleben rasch verpulvert sind. Was bleibt, ist das dümmliche, betrunkene Grinsen, mit dem Matti in völliger Selbstüberschätzung seine jeweils neuen Karrieren als nicht singen könnender Sänger, als Animateur, als Stripper, als Aktmodell und als Softpornodarsteller beginnt und immer wieder betont, dass er eben ein geborener Star sei, der dem Publikum Unterhaltung zu bieten habe. Dass das Publikum nur noch den zur Witzfigur mutierten Helden sieht, merkt er ebensowenig wie die Tatsache, dass er einfach nur leichte Beute für die männlichen und weiblichen Nikkes dieser Welt ist.
Selten wurde das vorprogrammierte Scheitern eines Lebens in all seiner Nervigkeit und lähmenden Doofheit gezeigt, auch wenn man weiß, dass Matti z. B. seine Frau wieder im Suff verprügeln und im Knast landen wird, hofft man doch, dass die entscheidenden Schläge diesmal vielleicht ausbleiben werden. Einfach nur, um den Glauben an die Lernfähigkeit des Menschen nicht zu verlieren. Nykänen kam zur Premierenfeier in eine Berliner Bar. Er sagte, Matti sei "ein sensationeller Film". Immerhin, er trank O-Saft.