Das Auswärtsspiel der Borussia in Berlin war so eine Situation, wie ziemlich rasch feststand. Die Hoffnung, die Gladbacher würden das Gedisse der Hertha-Fans ("Oh, die Rübenernte ist vorbei, die ostholländischen Bauern dürfen Urlaub haben!") vor dem Spiel mit einer ungefähr zweistelligen Klatsche beantworten, erwies sich rasch als vergebens. Die Borussia wurde schlichtweg zerlegt. Michael und Dennis, zwei Berliner Gladbach-Fans, nahmens mit Gleichmut. Vater und Sohn waren schon zu DDR-Zeiten Fans der Niederheiner - "wegen der großen Tradition" - und sind Mitglieder der Spreeborussen, dem "größten Fanclub außerhalb Mönchengladbachs." Dennis sei wohl von seiner Fußballbegeisterung angesteckt worden, lacht Michael, Dennis seinerseits gibt zu, dass er "keine große Wahl hatte als auch Gladbach-Fan zu werden, das hat mein Papa schon sehr früh demokratisch so entschieden!"
Die beiden Köpenicker fahren "mindestens ein-, zweimal in der Saison, wie es gerade passt, unseren Verein ansehen, Berliner Clubs interessieren uns dagegen gar nicht!" An ihr erstes Mal könne sie sich noch ziemlich gut erinnern, "das war vor zehn Jahren, damals waren wir im Schwarzwaldurlaub und haben das Auswärtsspiel unseres Teams gegen den FC Freiburg angeschaut - 1:1 ging es aus, damals hat Effenberg noch bei uns gespielt."
Tut so ein klares 6:0 noch dazu in der eigenen Stadt nicht furchtbar weh? "Ach", sagt Vater Michael, "ob wir nun in Rostock verlieren oder hier in Berlin, macht keinen Unterschied. Wir haben ja nicht wirklich mit einem Sieg gerechnet - und man muss dem Trainer auch erstmal Zeit geben!"
Nur wenig später wird das ganz anders gesehen werden: "Man kann verlieren, aber man kann nicht so verlieren", wird Dick Advocaat später sagen und anmerken, dass seine Jungs nach dem 2:0 wohl gedacht hätten, "ob wir nun 2:0 verlieren oder 6:0, das ist nun auch egal." Ein solches Debakel habe er noch nie in seiner Trainerlaufbahn erlebt, fügte noch hinzu: "und ich kann versprechen, dass es das letzte Mal sein wird".
Dann begann etwas, was die viel Elend gewohnten Berliner Sportjournalisten mit verständnislosem Kopfschütteln kommentierten. Selber eigentlich recht gut darin, den Abschuss von Trainern herbeizuschreiben, fanden sie das, was sich ihnen nun bot, eher unappetitlich. Es habe in der Liga gerade zwei spektakuläre Rücktrittsfälle gegeben, sagte einer aus der Mönchengladbacher Meute, und ob der Coach jetzt nun auch daran denke? Das wiederholte Nein von Advocaat, der immer wieder darauf hinwies, dass er zwar bislang noch nicht zufrieden sein könne, aber eben am Schluß der Saison erst Bilanz gezogen werden solle, zumal der Kader mit vier neuen Spielern verbessert werde, ließen die Schreiber nicht gelten. Und fragten unverdrossen ein ums andere Mal nach, bis einem Berliner schließlich die Bemerkung rausrutschte: "Selbst Provinzamateure müssten das jetzt eigentlich verstanden haben!"
Wie gesagt, es gibt Situationen, da....