Haie haben definitiv Pech: Sie sehen nicht besonders niedlich aus, essen Menschen und machen im Gegensatz zu den Walen definitiv keine Geräusche, die mit etwas gutem Willen als "Gesänge" durchgehen und auf CD gepresst Hippie-Labels zu ungeheurem Reichtum verhelfen. Deswegen dürfen die bedrohten, eigentlich nicht besonders leckeren, weil ziemlich säuerlichen Haie im Gegensatz zu den Walen auch weltweit verspeist werden. Keine Umweltschutzorganisation traute sich bisher, mit dem Foto eines traurig dreinblickenden Hais eine entsprechende Kampagne zu starten. Aber schmecken verbotene Fische womöglich besser als erlaubte?
Diese wichtige Frage kann nur in einem der wenigen Walfänger-Länder geklärt werden. Norwegen gehört dazu, und eigentlich ist man dort auf die Walfang-Tradition sehr stolz, wie überall angebotene T-Shirts mit Aufdrucken wie "Save the whales... for Dinner" beweisen. Norwegische Supermärkte bieten 300-Gramm-Packungen mit tiefgefrorenem Wal an, aber da kein Fall bekannt ist, nach dem monatelange Vereisung dem Geschmack eines Nahrungsmittels zuträglich gewesen wäre, muss man sich dringend auf die Suche nach Frischware machen. Die, so warnen Eingeweihte, wirklich sehr frisch sein muss, denn ansonsten werde man mit dem ekelerregenden Geschmack von Tran konfrontiert.
Im Delikatessengeschäft der südnorwegischen Kleinstadt Halden wird man schließlich fündig: Mitten zwischen Garnelen, Hummern und Katfischen liegt eine dunkelrote Masse, die man eigentlich eher an der Fleischtheke vermutet hätte. Es handele sich um "Hval", also Wal, verkündet das Preisschild unmissverständlich, und dass das Kilo rund 15 Euro koste. Ausgelegte Hochglanzbroschüren verkünden zudem, dass die Zubereitung ein Kinderspiel sei, denn im Grunde kann man mit dem Viech all das machen, was man auch mit Rindern oder Hirschen tun kann: Es durch den Fleischwolf drehen und Klopse fabrizieren, etwa, oder es hübsch mit einem Klecks Preiselbeermarmelade garniert als Steak servieren.
Also dann: "Ich hätte gern 500 Gramm Wal!" Der Ladenbesitzer stutzt kurz. Denn die Frau mit dem unmöglichen Akzent ist definitiv Ausländerin, und jegliches Ausland außer Japan, das weiß in Norwegen jedes Kind, ist bevölkert mit Menschen, die es extrem verwerflich finden, Wale zu essen. Das Auftauchen einer solchen Person kann also nur Eines bedeuten: Sie ist von Greenpeace und wird sich bei der geringsten falschen Bemerkung an der Ladentheke festketten, und dann ist es nix mit pünktlichem Feierabend und Rotweintrinken auf der Terasse. Deswegen wird der Delikatessenhändler sofort aktiv: "Nein, kein Wal!", erklärt er in jeder Sprache, der er mächtig ist, das Zeugs da sei irgendetwas ganz anderess, und eigentlich habe er auch keine Ahnung, wie es da hingekommen sei und überhaupt, "kein Wal!"Ha! So nicht - fünf Minuten später wird der norwegisch sprechende Mann mit klaren Instruktionen versehen ("Komm mir bloß nicht ohne wieder!") ins Geschäft geschicht, knapp neun Minuten später ist er mit einem hübsch eingewickelten Walklumpen wieder zurück. Der in der Ferienhütte angekommen umgehend ausgepackt und nach Vorschrift zubereitet wird. Mit überraschendem Resultat: Der Wal schmeckt wie grobfaseriges Wild, Rotweinsauce war eine sehr passende Empfehlung, und Preiselbeeren passen auch sehr gut zum von ruchlosen Fischern gemeuchelten Meeressäuger.