Ein Ortswechsel beginnt schließlich damit, dass man fassungslos durch die Wohnung läuft und rätselt, wo zur Hölle eigentlich dieser ganze Kram herkommt. Und beim Versuch, so etwas wie Umzugslogistik zu entwickeln, auf ein erstes Problem stößt, das ähnlich unlösbar ist wie die berühmte Henne-und-Ei-Frage: Was gehört eigentlich zuerst für den Transport vorbereitet, der Schrank oder der Inhalt? Zerlegt man zum Beispiel zuerst die Vitrine, steht ihr Inhalt für eine gewisse Zeit schutzlos in der Gegend herum. Verpackt man dagegen erst die zerbrechlichen Dinge, sind die Chancen groß, dass sich bei erster Gelegenheit ein Depp exakt diesen Karton als idealen Platz für die schweren Vitrinen-Regalbretter aussucht.
Und so ist es die Hoffnung, die Umziehende aufrecht erhält. Die Hoffnung auf die Wissenschaftler, die ganz sicher und vor allem interdisziplinär schon seit Jahren an der Lösung des Schrank/Inhalt-Problems arbeiten und zweifellos kurz vor dem entscheidenden Durchbruch stehen. Bis dahin sollte man die Zeit nutzen eine detaillierte Bestandsaufnahme zu machen. Idealerweise sollte man im Keller und/oder auf dem Dachboden beginnen. Denn dort stehen sie, die vollbepackten Kartons, Kisten und Reisetaschen vom letzten Umzug, die man eigentlich immer mal auspacken und durchgucken wollte. Wozu jetzt leider keine Zeit mehr bleibt. Jetzt muss so was wie Logistik her. Die besteht darin, alle Freunde und Bekannten über den tatsächlichen Umfang des geplanten Aus-, Um-, und Einzugs zu täuschen und um "ein bisschen Hilfe beim Tragen von ein, zwei kleineren Kartons" zu bitten.
Es ist so weit, die ersten Kartons sind fertig gepackt. Die liebevoll beschrifteten Teile werden hübsch ordentlich in die Fertig-Ecke gestellt. Dann ist es auch schon an der Zeit, sich einer unerfreulichen Tatsache zu stellen: Die Wohnung sieht leider kein Stück leerer aus. In diesem Tempo kann unmöglich weitergemacht werden. Was mit geordnetem Einpacken und detaillierten Inhaltsbeschreibungen beginnt, endet deswegen immer, immer, immer mit Kartons, auf denen in dicken Buchstaben KRAMS steht. Selbst Menschen mit fotografischem Gedächtnis haben später Mühe, sich daran zu erinnern, in welchem Karton der Schraubenschlüssel, die Adresse des neuen Vermieters oder die Computerkabel sind.
Fortsetzung folgt ...
Die neue Wohnung ist noch nicht bezogen. Im nächsten Monat stellt sich Elke die Frage: Möchte man einen billigen Umzug oder lieber auch nach dem Umzug noch Freunde haben?