Ohne ihn, wie könnte man als Flann O´Brien-Fan leben? Gar nicht! Dazu verdanken wir ihm die Neuherausgabe von Texten des großen Alfred Polgar, der in der legendären "Weltbühne" der Weimarer Republik viel Gutes für die Literatur und Theaterkunst getan hat. Eben ist als zweiter Band die Sammlung "Lauter Gute Kritiken" erschienen (siehe dazu auch Besprechung auf unseren überaus kompetenten Literaturseiten).
Am 30. Mai um 19.30 Uhr eröffnet Harry Rowohlt eine neue Lesereihe im Audimax der Hochschule in Mönchengladbach. Hoffen wir, dass diese Veranstaltung ein Erfolg wird, damit der rührige Veranstalter Tobias Bischoff in Mönchengladbach endlich für eine Belebung jener Kunst sorgen kann, die in anderen Städten schon längst wieder große Säle füllt – die Kunst des Vorlesens samt der Entdeckung der Literatur! Aus diesem Anlass hat der für seine Schlagfertigkeit und schonungslose Wahrheitsliebe berüchtigte Hamburger dem stadtmagazin einige Fragen beantwortet.
Stadtmagazin: Herr Rowohlt, worauf darf sich das Gladbacher Publikum am 30. Mai freuen?
Harry Rowohlt: Das kann ich noch gar nicht sagen, weil ich improvisiere.
Stadtmagazin: Aber es stimmt, dass Ihre Lesungen bis zu vier Stunden dauern ...
Rowohlt: Kann auch noch viel länger gehen! Meine allererste Lesung hatte ich vor 18 Jahren in Aachen. Ich habe ins Publikum geschaut und hatte plötzlich ein schlechtes Gewissen, weil die Leute doch Geld dafür bezahlt hatten, mich zu sehen. Deswegen gab's Vollbedienung! Bei meiner zweiten Lesung sollte das Kölner Publikum nicht schlechter dastehen, also habe ich wieder so lange gelesen. Aber keine Angst: Man kann ja auch früher gehen, allerdings wird das dann von mir kommentiert. Anpöbeln gehört zum Service!
Stadtmagazin: Sie lesen bei Ihren Veranstaltungen auch englischsprachige Texte im Original und beherrschen dabei unterschiedliche Dialekte ...
Rowohlt: Mein Akzent klingt eher nach West Virginia, kommt wahrscheinlich vom vielen Country-Hören.
Stadtmagazin: Sie haben eineinhalb Jahre in New York gelebt und danach mit dem Übersetzen angefangen.
Rowohlt: Ich habe damals die als unübersetzbar geltende Grüne Wolke ins Deutsche übertragen und dabei meine Scheu vor so viel Schreibarbeit verloren. Außerdem hat das Übersetzen einen unbestreitbaren Vorteil: Man braucht nicht mal vor die Tür zu gehen, ich bin nämlich begeisterter Stubenhocker. Wenn mal wieder ein Promi-Fragebogen bei mir ins Haus kommt, gebe ich als Lieblingsbeschäftigung ”Wohnen” an.
Stadtmagazin: Am bekanntesten sind Sie als Übersetzer von Pu, der Bär.
Rowohlt: Pu, der Bär gehört zu den Kinderbüchern, die mich prägten. Meine Mutter hat ihn mir vorgelesen, als ich drei war. Es gab aber nur eine zweitklassige Übersetzung, ich bin dann um eine Neuübersetzung gebeten worden.
Stadtmagazin: Sie haben irische Literatur übersetzt, sie kennen das Land ...
Rowohlt: Da fahr ich nie wieder hin. In Irland darf man in den Kneipen nicht rauchen. Die sollen sich doch in Kalifornien umbenennen!
Stadtmagazin: Die meisten werden Ihr Gesicht aus der Lindenstraße kennen, wo Sie den Obdachlosen Harry spielen.
Rowohlt: Beim Jubiläum ”20 Jahre Lindenstraße – 1000. Folge” wollte mich der neue Pförtner nicht reinlassen. Da hab ich ihm gesagt: ”Ich spiele hier seit zehn Jahren einen Nichtsesshaften, Sie Penner!”
Stadtmagazin: Harry trägt in der Lindenstraße einen Fan-Schal von Borussia Mönchengladbach!
Rowohlt: Versehentlich! Die Damen von der Requisite wussten nicht, dass es sich um einen Gladbach-Schal handelt. Aber ich habe kein Problem damit. Ich habe Gladbach auch schon die Daumen gedrückt. Wenn ich mit der Eisenbahn unterwegs bin und in einen Borussen-Fan-Pulk gerate, lassen die mich immer hochleben.
Stadtmagazin: Sie sind Träger der Goldenen Ehrennadel des 1. FC St Pauli ...
Rowohlt: Ja, das hat auch mit der Lindenstraße zu tun. Ich sollte die Frage beantworten, ob ich HSV-Fan sei. Da ich mir keinen Text merken kann, kam die Regieanweisung ”Harry improvisiert!”. Ich habe dann geantwortet: ”H- S-V? Der Tennisverein mit Fußballabteilung?” Dafür habe ich die Goldene Ehrennadel bekommen.
Stadtmagazin: Sie fahren mit dem Zug zu Ihren Veranstaltungen ...
Rowohlt: Anders würde sich mein Abo des New Yorker doch gar nicht lohnen. Das ist sehr statushaltig, im Zug den New Yorker zu lesen, das wird nur noch vom Korrektur-Lesen übertroffen. Eigentlich kann man das nur noch mit Partituren-Lesen toppen. Aber nachher kommt dann noch einer rein, der merkt, dass ich das gar nicht kann!!!
Stadtmagazin: Sie sehen viel von Deutschland ..
Rowohlt: In Mönchengladbach war ich vor Jahren schon mal. Die Buchhändlerinnen, die das organisiert hatten, hatten als Hommage an einen Hamburger alle Seemannskragen angezogen. Das sah sehr nett aus.