stadtmagazin: Eure Heimat Stuttgart rockt musikalisch ganz weit vorne mit. Denken wir nur an die Kolchose-Familie / Freundeskreis, aus deren Schoß du entsprungen bist. Warum habt ihr dennoch Berlin zu eurer Wahlheimat gemacht?
Thomilla: In Berlin spielt sich einfach mehr ab, und der musikalische Output ist größer als in jeder anderen deutschen Stadt. Wir nutzen die Strukturen und das Umfeld, um uns musikalisch weiter zu entwickeln. Dennoch verbindet uns noch jede Menge mit Stuttgart - die Familie, das leckere Essen, und als Andenken haben wir uns einen schwäbischen, fahrbaren Untersatz mit nach Berlin genommen.
stadmagazin: Musikalische Weiterentwicklung ist ein gutes Stichwort. Seit der experimentell anmutenden "Classic"-LP (2000) habt ihr eure musikalischen Gewohnheiten, resultierend aus euren HipHop-Roots, deutlich verändert. Ich sortiere eure Platten ins Fach "tanzbaren Pop" ein. Wie seht ihr euren Stil?
Thomilla: Entwicklung ist sehr wichtig für gute Musik. Als Turntablerocker wollen wir die klassische Produzenten und Frontman-Aufteilung, wie wir sie noch auf Michi Beck's Solo-Debüt "Weltweit" hatten, auflösen. Das gemeinsame Komponieren und Produzieren von Tunes ohne Vocal-Performance sondern als DJ-Team war die Idee. Wir haben uns weitgehend von unserer HipHop-Base entfernt und fahren einen ganz eigenen Elektronik Wildstyle zwischen House, geraden und gebreakten Beats. Unsere Musik findet man übrigens in allen gut sortierten Plattenläden immer im Regal der Neuigkeiten.
stadtmagazin: Turntablism ist eine beeindruckende Kunst für sich, beobachtet man nur die jährlichen ITF-Meisterschaften. Zählen Turntable zu den Musikinstrumenten ?
Thomilla: Es gibt Unterschiede. Es kommt darauf an, wie man die Turntable nutzt. Für viele DJs sind es einfache Plattenspieler, um im Club saubere Mixes zu machen und um das Publikum zum Tanzen zu bringen. Sieht man sich allerdings einige Scratch und Battle-Aktionen von diversen Turntablists an, wirkt es definitiv wie Musizieren. Allerdings sind sie für Battle-DJs mehr ein Instrument, um akrobatische Tricks und Kniffs zu zeigen.
stadtmagazin: DJ-Enterainment pur. Wie verleiht Ihr euren Sets eure persönliche Note und auf was können sich die Meilenstein-Besucher gefasst machen?
Thomilla: Auf eine lange und heiße Winternacht, bei der getanzt werden darf/muss. Michi Beck und ich legen "Ping Pong" auf. Mal legt er ein Platte auf, dann wieder ich. Es wird jedenfalls ein spannender Abend.
stadtmagazin: Welche Projekte stehen auf der Turntablerocker-To-Do-Liste 2006?
Thomilla: Wir haben zwei neue Songs am Start, die voraussichtlich Anfang des nächsten Jahres als Maxisingle erscheinen werden. Aber erst einmal wird bei der Familie Weihnachten gefeiert. Am 30. Dezember hauen wir für dieses Jahr noch ein letztes Mal im Rocker 33 in Stuttgart auf die Kacke, und dann gibt es endlich ein paar Tage Entspannung und Zeit, um mein Handycap beim Golfen zu verbessern - einer meiner guten Vorstätze fürs nächste Jahr.