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Dienstag, 22. Februar 2005 14:49
Interview mit Wolfgang Dammers

Dieter Braeg im Gespräch mit dem Sprecher der BIG (Bürgerinitiative Geneicken) Wolfgang Dammers


Stadtmagazin: Welche Forderungen und Ziele hat die BIG?

W. Dammers: Verkehrsberuhigung und -verringerung in der Honschaft Geneicken: Reduzierung der Lärm- und Schmutzbelastung, Sicherheit für die Anwohner, vor allem Schutz für Kinder und ältere Bürgerinnen und Bürger. Erhalt der Bausubstanz, die z.T. denkmalgeschützt ist, sowie der gesamten dörflichen Honschaft um den historischen Maarplatz herum, somit auch Heimatpflege zur Steigerung des Wohn- und Lebenswertes des gesamten Ortsteils. Dies soll erreicht werden durch Verkehrsberuhigung mit Hilfe kleinerer, wenig kostenintensiver Maßnahmen, z. B. Tempo 30 (inclusive Kontrolle), Sperrung für den Schwerlastverkehr, Veränderung der Parkräume/-zonen, kleinere bauliche Maßnahmen, z.B. Buchten, Bepflanzung, Pflasterung etc., die dem Charakter der Geneickener Straße als Wohngebiet entsprechen, später ein Gesamt-Verkehrskonzept, das die Gestaltung Geneickens insgesamt betrifft, und so den Maarplatz als Zentrum eines dörflichen Umfeldes wiederentstehen lässt.

Stadtmagazin: Wie reagieren die Bürgerinnen und Bürger in Geneicken auf die Forderungen/Ziele der BIG ?

W. Dammers: Als ich die Idee zur Gründung einer Bürgerinitiative und im September 2004 mit einem Flugblatt zu einer Gründungsversammlung eingeladen hatte, war ich sehr gespannt auf die Resonanz. Meine Erwartungen wurden deutlich übertroffen: Auf einer gut besuchten Gründungsversammlung wurde die BIG am 7. Oktober 2004 ins Leben gerufen. Ich hatte das Gefühl, dass die verkehrsgeplagten Menschen aus dem Umfeld froh waren, dass endlich nach all den Jahren, in denen praktisch nichts passierte, Bewegung in die Sache kam, dass ihre Nöte endlich artikuliert und in organisierter Form angegangen wurden. Besonders die älteren Bürgerinnen und Bürger sind mit hohem Einsatz bei der Sache, z. B. beim Unterschriftensammeln. Offensichtlich war ein Nerv getroffen.

Stadtmagazin: Wie hat Politik und Verwaltung der Stadt bisher auf diese
Forderungen reagiert, und gibt es schon erste Erfolge der BIG bei der Durchsetzung der entwickelten Konzepte?

W. Dammers: Wo sich jahrzehntelang nichts bewegt hat, sind jetzt in kürzester Zeit erste Erfolge zu verbuchen. Alle Fraktionen der Bezirksvertretung haben an unserer Bürgerversammlung im November teilgenommen und sich den Fragen gestellt, das zeigt, dass wir nicht nur registriert werden. Die Zusagen der Politik (Einige Politiker quer durch die Parteien haben unsere Unterschriftenliste unterschrieben!) haben sich niedergeschlagen in einem entsprechenden Beschluss der Bezirksvertretung, Tempo 30 auf der gesamten Geneickener Straße sofort einzuführen. Außerdem wurde die Verwaltung beauftragt, ein Verkehrskonzept für ganz Geneicken zu entwickeln, das jetzt im Frühjahr der Bezirksvertretung und dann auf einer Bürgerversammlung vorgestellt werden soll. Die BIG hat auch in der Verwaltung selbst ein offenes Ohr gefunden. Vertreter der BIG haben dort ein längeres Gespräch mit dem Verkehrsplanungsamt geführt. Die weiteren Entscheidungen bedürfen sicherlich noch intensiver Diskussion und natürlich auch der Beobachtung durch uns. Uns ist dabei völlig klar, dass unser Problem auch gesamtstädtisch eingebunden ist.

Stadtmagazin: Sind Sie als Sprecher der BIG der Meinung, dass es ernsthafte Bemühungen von Politik und Verwaltung in Mönchengladbach gibt, um von dem vor gar nicht langer Zeit kreierten Begriff "autofreundliche Stadt" zu einer "menschenfreundlichen Stadt" zu werden und müßte nicht eigentlich für die gesamte Stadt ein Verkehrsberuhigungskonzept entwickelt werden?

W. Dammers: Wir wissen, dass in den vergangenen Jahren die Bedürfnisse der Menschen - vorsichtig formuliert - nicht immer in der wünschenswerten Form von der Politik berücksichtigt wurden. So ist die einseitige Propagierung einer "autofreundlichen Stadt" in der Realität auf Kosten anderer gegangen. Radfahrer etwa oder ÖPNV sind Stiefkinder der Verkehrspolitik in MG. Im Vergleich mit anderen Städten haben wir eine katastrophale Situation für Radfahrer in vielen Bereichen. Es muss in der Tat in größeren Zusammenhängen auf Konzeptionen hingearbeitet werden, in denen der Autoverkehr, den abzuschaffen eine utopische und unrealistische Forderung wäre, so gestaltet wird, dass Menschen innerstädtische Wohn- und Lebensräume, Kindern Spielräume erhalten bleiben bzw. geschaffen werden, und da, wo Verkehr geführt werden muss, eine Beruhigung und Verminderung von Schmutz- und Lärmbelästigung erreicht wird. Insofern möchten wir als BIG auch nicht nach dem Sankt-Florians-Prinzip verfahren und den Verkehr einfach anderen aufs Auge drücken. Wir können als Geneickener Initiative nicht die gesamte Stadt beglücken. Wir würden uns wünschen, dass weitere Bürgerinnen und Bürger sich motivieren ließen, sich und Ihre Bedürfnisse in Richtung Politik zu artikulieren, wie dies etwa schon am Bungtbach in Zusammenhang mit den dortigen Bebauungsplänen geschehen ist.

Stadtmagazin: Da die BIG nicht nur Verkehrsberuhigung und -verringerung fordert, wo sehen Sie Ansätze für Kulturarbeit im Raum Geneicken/Bonnenbroich, die ja auch zur Verbesserung des Wohn- und Lebenswertes beitragen würde?

W. Dammers: Die Ansätze zu stadtteilspezifischen kulturellen Aktivitäten sehe ich im Moment eher bescheiden, halte selbige aber für ausgesprochen wichtig. Wir haben im Rahmen unserer Aktivitäten Kontakt mit dem Heimatverein und dem Seniorenzentrum aufgenommen, um in Gesprächen Möglichkeiten dieser Art zu diskutieren. Dass ein Bedarf besteht, eine "Dorfidentität" zu pflegen, zeigen die vielen Gespräche und neuen Bekanntschaften der Menschen untereinander infolge der Arbeit der Bürgerinitiative. Mit dem Ziel, die unerträglichen Wirkungen des Verkehrs zu bekämpfen, ist ja auch unsere Idee verbunden, bestimmte Kommunikationsräume wieder zu reaktivieren. So könnten in einem verkehrsberuhigten und entsprechend gestaltetem Umfeld der Maarplatz und seine Umgebung eine besondere kulturelle Bedeutung erhalten.

Unter www.BI-Geneicken.de kann man sich weiter über die Aktivitäten der BIG informieren!


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