stadtmagazin: Im Titelsong Jetzt singt Sie auch noch nehmen Sie sich selbst in Ihrer Rolle als öffentliche Person auf die Schippe. Zu Selbstironie gehört Souveränität. Haben Sie die beim Fernsehen erworben? Barbara Schöneberger: Beim Fernsehen verliert man auch gern mal ein Stückchen Souveränität. Aber es bildet auch einiges an einem aus. Das sind Dinge wie Geduld, Demut, die Fähigkeit, Rückschläge aushalten zu können, sich nicht beirren zu lassen, und irgendwie auch Selbstbewusstsein. Letzteres braucht man aber in jedem Job.
stadtmagazin: Sie haben sich mit dem preisgekrönten Autorenteam Frank Ramond und Matthias Hass zusammen getan. Die beiden haben auch Annett Louisan, Ina Müller und Roger Cicero zum Erfolg verholfen. Was macht Ihre Songs unverwechselbar? Schöneberger: Meine Songs sind unverwechselbar, weil sie wirklich für mich geschrieben sind. Ich wollte nicht mit romantischen Herz-Schmerz-Liedern um die Ecke kommen. Das hätte man mir nicht abgenommen. Meine Musik soll authentisch klingen und leicht und unterhaltsam sein. Gute Lieder zu schreiben, ist sehr schwer.
stadtmagazin: Guck doch hin wo du willst! ist eine Aufforderung an die Männer, freimütig aufs Dekolleté zu blicken. Früher wäre Mann dafür abgewatscht worden. Sind Sie die Softies und Frauenversteher leid? Schöneberger: Immer schon. Die Balance muss stimmen zwischen dem totalen Verständnis für die Frau und dem unglaublichen Machotum. Das ist wahnsinnig schwierig für Männer. Aber wir Frauen müssen inzwischen auch ein bisschen mehr können als vor 100 Jahren: Zum Beispiel mit dem linken Fuß im Kochtopf rühren, mit rechts das Baby wickeln und mit den Händen an der Tastatur als Marketingchefin den Job weiterführen. Da kann man auch von den Männern erwarten, dass sie verschiedene Saiten anschlagen. Schwierig, schwierig, schwierig (lacht).
stadtmagazin: Offiziell loben alle den 'neuen Mann', der Hausarbeit und Kindererziehung mit seiner Frau teilt. Aber werden solche Männer tatsächlich von Frauen begehrt? Angeblich bevorzugen Frauen Männer, die karriereorientiert, fleißig und ehrgeizig sind. Schöneberger: Seit Bratt Pitt sich um die Kinder von Angelina Jolie kümmert, kenne ich viele Frauen, die sagen: Der ist doch ein Hampelmann geworden. Der ist überhaupt nicht mehr so cool wie früher. Als Frau ist man in einem Konflikt: Durch unsere Gene sind wir bestimmt, uns einen starken Mann zu suchen, der uns an den Haaren in die Höhle zieht und seine Pranken auf uns legt. Auf der anderen Seite erwartet man einen verständnisvollen Partner, der einem vieles abnimmt. Dieses Changieren ist auch für Männer ganz schön schwierig. Aber wir müssen uns halt alle ein bisschen ändern.
stadtmagazin: Im April beginnt Ihre erste große Tournee durch 35 deutsche Großstädte. Sind Sie schon nervös? Schöneberger: Ich kann mir das erst so richtig vorstellen, wenn es soweit ist. Irgendwie wird es schon klappen. Das war bei mir bisher immer so. Egal, ob ich moderiere, synchronisiere, singe oder irgendwo mitspiele - ich möchte jeden Tag von Neuem den Druck verspüren, eine gute Leistung bringen zu müssen. Anders als im Büro, wo man zwischendurch auch mal rumhängen kann, muss ich an jedem Arbeitstag etwas abliefern.
stadtmagazin: Ab Januar moderieren Sie zusammen mit Hubertus Meyer-Burckhardt die NDR Talk Show, eine der dienstältesten Quasselrunden im deutschen Fernsehen. Was reizt Sie an dem Format? Schöneberger: Das war schon immer meine Lieblings-Talkshow. Ich habe wirklich davon geträumt, irgendwann mal da zu sitzen. Dass es jetzt wahr geworden ist, finde ich fantastisch. Natürlich habe ich Manschetten, aber mit Hubertus Meyer-Burckhardt verfüge ich über einen ganz tollen Co-Moderator. Wir werden das schon machen. Aber man muss uns auch ein bisschen Zeit geben. Es wird sicher nicht gleich nach der ersten Sendung ideal sein. Da müssen wir uns erst ein bisschen eingrooven.
stadtmagazin: Wollen Sie jetzt das Talk-Format neu erfinden? Schöneberger: Das wird man sehen. Meiner Meinung nach kann sich da ruhig etwas ändern. Zum Beispiel könnte es ein bisschen anarchischer werden. Aber das ist immer leichter gesagt als getan.
stadtmagazin: Böse Zungen stellen sich bereits die Frage, ob Sie dabei andere zu Wort kommen lassen. Eine Sorge, die Sie teilen? Schöneberger: Ich habe mich schon damit abgefunden, dass ich bei der Show Gastgeberin bin. Ich finde das gut, weil ich inzwischen keine Lust mehr habe, über mich zu reden. Mein Leben ist nicht so interessant. Ich finde es toll, eine CD und eine Tour zu promoten, weil das einen Inhalt hat. Aber ich muss mich nicht zu jedem x-beliebigen Thema zu Wort melden.
CD: Barbara Schöneberger – Jetzt singt sie auch noch (Universal)
Barbara Schöneberger Tournee 2008:
28.04.2008, Bielefeld, Stadthalle
11.05.2008, Dortmund, Westfalenhalle 3
12.05.2008, Köln, Philharmonie
17.05.2008, Düsseldorf, Philipshalle
18.05.2008, Oberhausen, König-Pilsener-Arena Tickets gibt es bei tickets&more (im Vitus-Center am Hbf MG)