stadtmagazin: Eure neue Platte klingt sehr poppig, wie kommt es zu dieser Note?
Michael Scheibenreiter: Wir haben immer schon über den Tellerrand von Drum’n’Bass hinaus geschaut. Wir hatten auch immer ein Faible für Harmonien. Deshalb haben wir auch immer nach Musikern und Sängern gesucht. Mit Nina, Cleveland Watkiss und Marc Klemens haben wir diese nun gefunden. Die Auseinandersetzung mit diesen Leuten, vor allem die Zusammenarbeit mit Mark am Anfang der Produktion, hat die Platte mit einem Popstatement aufgeladen.
Philipp Maiburg: Das so aber niemals geplant gewesen ist. Als Michael mit Mark hier in unserem Studio zum ersten Mal an Skizzen gesessen hat, war noch gar nicht klar, dass daraus Vocaltunes entstehen. Da war auch der Name Cleveland Watkiss noch nicht auf dem Zettel. Es ist drei Jahre her, dass die Skizzen entstanden sind. Wir dachten immer, dass zu ihnen Gesang passt. Irgendwann sind wir dann mit Watkiss in Kontakt gekommen, und wir fanden, dass seine Stimme zu einem Track passt. Daraus sind dann drei geworden. Das war alles Zufall. Auch mit den anderen Sängern.
stadtmagazin: Dabei habt ihr aber keine klassischen Club-Vocaltunes, sondern eher Drum’n’Bass-Songs arrangiert.
Maiburg: Wir wollten keine Vocaltunes für die Szene machen. Wenn man hört, was für Vocaltunes draußen sind, dann sind das meist Nummern die eigentlich nur aus Fetzen bestehen, nicht aus klassischem Songgesang. Wenn man aber jemanden wie Cleveland nach Düsseldorf einlädt und der hier mit drei Brigdes und Strophen ankommt, die er extra geschrieben hat, dann entsteht ein anderer Anspruch. Da kann man nicht sagen: "Super, aber wir nehmen nur die Passage 'All i want is you' oder so". In einem solchen Moment sagt man sich eher: „OK, dann schreiben wir mal richtige Songs!".
„Wir haben ein Drum’n’Bass-Album arrangiert, zu dem die Szene tanzen und der Rest mitsingen kann."
stadtmagazin: Bedeutet das nicht auch, dass sich das Gesamtkonzept eines Albums anders gestaltet? Die Platte ist ja schließlich kein reines Clubalbum.
Scheibenreiter: Ja, das fängt schon damit an, dass die Rhythmen für die neue Platte meist zum Schluss entstanden sind. Das ist ja sonst bei Clubsounds umgekehrt. Bei uns standen am Anfang eher Akkorde und Basslines im Vordergrund. Dann kamen erst die Beats.
Maiburg: Wir hatten sehr viel Material eingespielt. Das haben wir ständig verändert und variiert. Deshalb unterscheidet sich die CD auch von der Vinylausgabe. Auf dem Vinyl gibt es 7-minütige Clubversionen, wo der Bass mehr aufgedreht ist. Auf der CD sind die Songs in einem kurzen, klassischen Format, denn wir fanden, dass ein Album, das nur 7-minütige Tracks serviert, langweilig für einen normalen Hörer sei. Auf der CD sind deshalb für uns die Songs und auf dem Vinyl die Tracks.
stadtmagazin: Dieser Schachzug macht die CD ganz anders hörbar und öffnet die Musik auch für Leute, die nicht mit der Drum’n’Bass-Szene verbunden sind.
Scheibenreiter: Das sollte auch so sein, und deshalb haben wir auch so lange verschiedene Versionen ausprobiert. Die kurzen daheim im Wohnzimmer und die langen abends im Club. Und das bestimmt ein bis zwei Jahre lang.
Maiburg: Wir waren noch nie bei einem Album so gründlich. Das lag zum einen an unserem neuen Label. Zum anderen an den Künstlern, die mitgemacht haben. Das hat uns alles sehr angespornt, einen neuen Schritt zu gehen, uns weiter zu entwickeln.
Scheibenreiter: Viele Drum’n’Bass-Künstler gehen ja oft sehr abstrakt in eine Richtung - werden härter, lauter und versuchen, sich in einem gewissen Teil der Szene zu etablieren. Das war für uns aber keine Option. Wir wollten in eine andere Richtung. Wir suchten eine neue Herausforderung, und wir denken, dass wir mit „Buddy Language" das Ziel erreicht haben, ein Drum’n’Bass-Album arrangiert zu haben, zu dem die Szene tanzen und der Rest mitsingen kann.