Auf einer fein zugemüllten Bühne, gestaltet von Claudia Rohner, bemühten sich drei Männer und zwei Frauen ein Konzept umzusetzen, das aus Stückbruchteilen und dem Lebenslauf des
Dichters C.D. Grabbe bestand. Dabei hätte sicher Hervorragendes geboten werden können, denn zu Lebzeiten schrieben Kritiker mit Schaum vor dem Mund und Brett vorm Hirn etwa zu diesem Stück: null„Was ist das für ein Dichter! Erlaubt sich in seinem Stück unbedenklich die größten Willkürlichkeiten, ja Unmöglichkeiten. Schauderhaft. Die Personen des Dramas sind hölzerne Marionetten. Die Handlung ist ein einziges Durcheinander, voller Abenteuerlichkeiten, die er nicht im Zaume halten kann. Dieser überspannte Kerl! Dieser elende Skribent! Diese Laus im Pelz unseres teutschen Vaterlandes, die unsere nationale Dichtung der ruhigen Tiefe, der einfachen Größe und der heiteren Klarheit mit Riesenschritten in rohe Barbarei zurückführen will. Ein Nestbeschmutzer! Ein Kuckucksei! Eine Dreckschleuder! Ein Saufaus, der durch sich selbst zu Grunde gehen soll. Seine eigenen Bücher mögen ihm auf seinen dummen, wirren Schädel fallen und ihn zerschmettern. Möge er in eines seiner vollen Weinfässer fallen und darin ertrinken. Dieses Schwein, das dichten will. Welch Verblendung! Dieser schriftstellerische Embryo gehört ausgekratzt und auf den Abfall geworfen. Dieser verkrüppelte Rehpinscher! Diese Mißgeburt! Diese erbärmliche, schlammwühlende Krabbe! Dieser Christian Dietrich Grabbe!“
Da hätte der Regisseur Roger Vontobel doch was draus machen können. So kann er getröstet werden, an Grabbe sind schon andere gescheitert. Er ist nicht so leicht zu knacken. Es bleibt eine Textrumpelkammer, wie die Bühne selbst. Da kommen noch am besten die Musik und die Videos gut rüber. Es wird viel gebrüllt. Das ist im Republic gefährlich und kommt beim Publikum nicht an – man hört einfach nicht, was da lauthals in den Saal geschrien wird. Irgendwann sagt jemand “Mann, Grabbe, kannst du nicht leise genial sein?“. Das wäre doch eine Anleitung an Vontobel gewesen es so zu versuchen. So ist das alles ein Hamburger Schauspielhausallerlei. Man müht sich ab und Jana Schulz als Teufel und Monique Schwitter als Liddy, die an diesem Abend den Zigarettenkonsumorden bekommen müsste, so oft wird da zum Glimmmstengel samt Feuerzeug gegriffen, zeigen, dass sie es besser könnten aber nicht dürfen. Auch Daniel Wahl der den Mollfels gibt, kriegt einen Gutpunkt. Leider rettet sie niemand vor den Regiezugriffen. An Abgrund von Komödienstadel tut sich auf. Da reimt der Dichter Rattengift am PC „Boden“ auf „Hoden“ und erzeugt im Publikum Schmerzlaute. Im Keller rattert die Bartwickelmaschine, die alte Witze verwurstet.
Zum Schluß, damit das Publikum nach Zweieinhalbstunden ohne Pause versöhnt wird, bringen sich fast alle um. Das war komisch! Zu spät! Das Teufelmädchen überlebt und hat dann einen Wunsch, der alle freut: „Licht aus“! Na gut, das hätte auch früher sein können. Vielleicht sollte sich in der Junginszenatorszene herumsprechen, dass weder Soundeinspielungen noch die anscheinend nicht mehr wegzudenkende „erklärende“ Videowand nicht modern, sondern Zuschauererdummbeuteleien sind. Wenige Szenen die wirken, das reicht nicht!