Woyzeck kann nicht anders: Er hetzt von einer Arbeit zur anderen, um seine geliebte Marie und das Kind durchzubringen. Und er kann nicht anders als seine geliebte Marie zu erstechen, weil sie ihn mit dem hübschen Tambourmajor betrügt. Der arme Soldat Franz Woyzeck kann nicht anders, weil die Verhältnisse ihm alle Moral ausgetrieben haben. Weil der Weltenirrsinn ihm die Stimmen des Wahnsinns in den Kopf legt: 'Hör ich’s immer, immer zu, stich todt, todt.'
Interessanterweise gibt es in Krefeld gleich zweimal den 'Woyzeck'. Denn auch im Stadttheater hat das Stück Premiere, allerdings erst am 25. November. Und deshalb gibt es für die jeweiligen Zuschauer in den unterschiedlichen Spielstätten 'Stadttheater' und 'Fabrik Heeder' auch eine Vergünstigung. Jeweils durch Vorlage eines gültigen Tickets erhält man in der anderen Spielstätte einen Einlassbonus.
Woyzeck – der Mörder, der Psychopath, der Unzurechnungsfähige? Es gibt nicht nur einen Woyzeck. Woyzeck ist ein Wiedergänger. Sein Schrei, noch stumm, noch ungehört, erschüttert unsere Wirklichkeit bis ins Mark. 'Hör ich’s immer, immer zu, stich todt.' Auch die Liebe zu Marie kann diesen Riss nicht heilen. Der Riss geht durch die Welt, geht durch Woyzeck. So hetzt er durch sein Schicksal: Rasiert seinen Hauptmann, schneidet Stecken auf dem Feld, ernährt sich als medizinische Testperson nur von Erbsen und hält den Buckel hin. Er wird verlacht, verspottet und verprügelt. Ein geschlagener Hund. Ein Mensch, dem sein Dasein zuviel ist. Ein Mensch, in dem der Amok tanzt. 'Wo bist du, Woyzeck?' – fragt man sich und schaut über die eigene Schulter.
Mestre und Linke haben aus den vier unterschiedlichen Woyzeck-Versionen von Büchner ein Stück zusammengestellt, das die aussagekräftigsten Szenen für ihre Interpretation des Klassikers zusammenführt und die gleichzeitig einen aktuellen Aussagewert für die Gegenwart herstellen. Die Musik für das Stück haben Jakob Rullhusen, Ludwig Kuckartz und Franz Mestre gemacht, das Bühnenbild Svea Kossack, die Kostüme Sigrid Trebing. Als Live-Musiker ist Jakob Rullhusen zu sehen. Es spielen: Jennifer Fey, Frank Maier, Angelo Micela, Heide Michels und Sunga Weineck.
Weitere Aufführungstermine auf der Studiobühne I der Fabrik Heeder sind Mittwoch, 6. Oktober, um 10.30 Uhr, Donnerstag 7. Oktober, um 10.30 Uhr und um 19 Uhr sowie Freitag, 8. Oktober, um 10.30 Uhr.