Es geht voran nach einer Phase des Stillstands. Das ist der gängige Tenor, wenn wir von einem Aufbruch sprechen; dabei reizt uns das unbekannte Terrain, auf das wir uns begeben. Schön, wenn wir die Wahl haben.
Aufbruch bedeutet aber keinen geraden Schnitt, sondern einen Bruch mit Ausbuchtungen und Einkerbungen, an denen man sich auch verletzen kann. Man lässt vielleicht Geliebtes zurück, Hoffnungen werden enttäuscht, die Zukunft ist schwärzer als die Gegenwart. Beispielhaft für eine solche Art Aufbruch zeigt der Dokumentarfilmer Bernd Riebe in der Videocollage "Out of Africa" die Schicksale der Boatpeople, die sich mit kaum mehr Habe als das, was sie auf dem Leib tragen, in völlig überfüllte Boote zwängen und wochenlang über den Ozean treiben, um dann, falls sie gesund an Europas Grenzen gelangen, in Lager verfrachtet und wieder zurück(ab)geschoben zu werden.
Die Zusammenlegung dreier Pfarren in Rheydt zur neuen Großgemeinde St. Marien, St. Franziskus und St. Josef unter Pfarrer Hurtz warf für 20 Mitglieder der Künstlergruppe 'Der Blaue Rheydter' das Thema "Aufbruch" in den Raum, unter dem Arbeiten verschiedenster Genres entstanden, die sich keinesfalls ausschließlich auf den kirchlichen oder rein lokalen Bezug beschränken, sondern sich auch in einen globalen Zusammenhang stellen.
Xenia Marita Riebe beispielsweise hat eine Art "Kundenstopper" erarbeitet, der wie eine Medaille die zwei Seiten des Aufbruchs spiegelt. Die erste verspricht Besserung der momentanen Umstände, während sich auf der Kehrseite Ernüchterung, Verzweiflung und Wut in einer Art "Decollage" manifestieren, die denen der teilweise zerstörten Wahlplakate zur letzten Bundestagswahl entsprechen.
Die neu gestaltete Marienkirche bietet den räumlichen Rahmen für die Ausstellung vom 07. bis 21. März. Gezeigt werden Gemälde z. B. von Hardin Plitschki oder Waltraud Knops, die ihr Werk "Lebensweg" in acht Bildern präsentiert, Keramik-Skulpturen, Plastiken, Objekte, Lichtinstallationen und Literatur von Barbara Klein und Josee Hümpel-Langen.
Die Ausstellung ist Di bis Fr von 15 bis 18 Uhr geöffnet, Führungen finden jeden Di und Do um 16 Uhr statt. Zur Vernissage am 7. März und Finissage am 21. März gibt es jeweils ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Lesungen, Video, Fotoshow und Livemusik.
Infos unter: www.der-blaue-rheydter.de