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Lincolns Roboter liest Kindermärchen
Die Lincoln-Maschine
Roman von Philip K. Dick


Er hat die Romanvorlagen zu modernen Filmklassikern wie Blade Runner, Total Recall und Steven Spielbergs Minority Report verfasst: Philip K. Dick. Ein zentrales Thema all seiner Werke ist der Mensch zwischen Wahn und Wirklichkeit, zwischen Manipulation und eigenem Willen. Auch Die Lincoln-Maschine gehört in diese Kategorie: Maury Rock ist eigentlich ein Feingeist. Als Geschäftsführer einer Klavier-Fabrik lebt er für das Schöne und Besinnliche. Finanzielle Schwierigkeiten aber zwingen ihn und seinen Geschäftspartner, neue Produkte zu produzieren. Die scheinbar geniale Geschäftsidee: Die Produktion von Roboter-Kopien berühmter Persönlichkeiten der amerikanischen Geschichte. Doch dann geschieht etwas Unvorhergesehenes: Ein erster Android entwickelt Gefühle. Die Kopie von Präsident Lincoln beginnt sich für Kinderbücher zu begeistern, welche sie die Unvollkommenheit der eigenen Existenz erkennen lassen – während sich Maury Rock nach und nach die Frage stellt, ob er selbst möglicherweise nur die Kopie eines anderes Menschen darstellt. Die Lincoln-Maschine gehört zu den eher unbekannten Werken des Amerikaners, der 1982 verstarb. Geschrieben hat er den Roman vermutlich 1961, zur Veröffentlichung gelangte er allerdings erst 1969. Umstritten ist auch, ob das letzte Kapitel des Romans aus Dicks Feder oder der seines Verlegers stammt. Bei der Erstveröffentlichung in Deutschland 1972 wurde die Geschichte als billiges SciFi-Lesefutter für den Zwischendurchbedarf unter dem Titel „Die rebellischen Roboter“ verramscht, der eine Konfrontation Mensch/Maschine suggeriert. Darum aber geht es in Dicks Roman nicht. Im Zentrum steht vielmehr die Frage, was einen Menschen zum Menschen macht. Ist es seine Fähigkeit zu Lieben? Oder zu Zerstören? Dass es schließlich eine Maschine ist, die der Beantwortung dieser Frage am nächsten kommt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. - Christian Lukas

Philip K. Dick

Philip K. Dick: „Die Lincoln-Maschine“. Heyne Verlag, München 2007. 288 Seiten. 9,95 Euro.


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