Trockenobst Feuchtgebiete Roman von Charlotte Roche
Ich liebe Dörrpflaumen. Diese schöne runzelig faltige Struktur. Leckt man drüber, dann gibt das einen staubig süßlichen Geschmack. In den tieferen Dörrpflaumenspalten findet man auch mal sandige Rückstände. Ja, die getrocknete Pflaume hat schon was. In höchster Reife geerntet, dann, gehegt und gepflegt, mit feinster Hitzeinwirkung dem Schrumpfungsprozess zugeführt. Das hat was. Das braucht man! Die Autorin Charlotte Roche hat sich ja schon durch einige unrechtliche und rechtliche Fernsehprogramme gelabert, da wird es Zeit, dass man ein Buch veröffentlicht und je nach Lage der Denkperiode mal mehr mal weniger mitteilt, dass das, was da in den 220 Seiten beschrieben wurde, was mit Inhalt zwischen Buchdeckeln zu tun haben könnte.
Frau Roche hat es in den letzten fünf Jahren grad geschafft, ein Buch zu lesen - Der große Gatsby. Sie meint auch, dass das Buch, das sie geschrieben hat, falsch aufgefasst wird, nämlich als Wichsvorlage. Ständig wird die Autorin natürlich gefragt, wie viel an ihrer Geschichte "echt" sei. Eine Frage, die zum Buch passt und zum Zustand der Literatur und Literaturkritik in diesem unserem Nichtland. Dass dieses Buch sogar verwirrt, beweist der Umstand, dass der Kritiker der liberalen österreichischen Tageszeitung Standard, Sebastian Fasthuber, es über vier Spalten bespricht. Sein Endurteil: "Ein aufgemotztes Groschenheft für sich fortschrittlich wähnende Leser."
Er muss vom Buch verwirrt sein, denn es kostet laut seiner Besprechung 20,60 Euro und hat 383 Seiten. Mich würde interessieren, was Herr Fasthuber von Seite 219 - da endet in meiner Ausgabe das "Feuchtgebiet" - bis zur Seite 383 seiner Ausgabe gelesen hat. Ich hab nachgefragt, aber Fasthuber antwortet nicht.
LeserinLeser kann auf dieses Buch verzichten. Es besteht nämlich bei der Lektüre große Kotzgefahr!
- Dieter Braeg