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Eine feine Gesellschaft
Die rote Lilie
Roman von Anatole France


Im Jahre 1921 wurde Anatole France ausgezeichnet. In seinem Roman "Die rote Lilie" - er spielt in den wirklich nicht sicheren politischen Zeiten Frankreichs nach der Niederlage im Krieg 1870/71 gegen Deutschland - schildert Anatole France, wie es so zugeht in der "feinen" Pariser Gesellschaft. In den feinen Salons redet man feinsinnigst über Literatur, Kunst, Politik, und natürlich kommt der Klatsch nicht zu kurz. Die Hauptperson des Romans, Thérèse, lebt in einer Ehe, die nur noch auf dem Papier besteht. Der Langeweile dieser dekadenten Gesellschaft entflieht sie zu ihrer Freundin, der Dichterin Vivian Bell, in deren Haus nach Florenz. Dort kommt es zu einer Wiederbegegnung mit dem Bildhauer Jacques Dechartre. Tage der Liebe und Leidenschaft folgen. Aber es gibt kein Happy End. Anatole France ist ein genau beobachtender Erzähler, der die Eleganz dieser Epoche - an Oberflächlichkeit nicht zu überbieten - scharfsichtig schildert. Dabei gibt es, wie man im kompetenten Nachwort von Albert Gier erfahren kann, durchaus autobigraphische Züge, die der Autor in diesem Roman nicht zu kurz kommen lässt. Marcel Proust könnte das erste Kapitel geschrieben haben. Was da an "wichtigen" Eliten der französischen Republik auftritt, im Salon der Gräfin Martin-Belème, alle zu Titeln gekommen, die ihren Vorfahren Napoleon der Erste verliehen hatte, das ist zwar nicht so präzise wie bei Proust geschildert, aber da trifft sich diese "Gesellschaft", die es heute noch genau so gibt. "Fein" mit und ohne Titel. "Die rote Lilie" ist auch ein Roman für Florenz Liebhaberinnen und Liebhaber, denn Anatole France lässt dort nicht nur die Liebe entstehen, er verbindet sie mit den vielen Schönheiten dieser Stadt.

- Dieter Braeg

Anatole France: "Die rote Lilie". Manesse Verlag Zürich. 508 Seiten ISBN 3-7175-2012-1, 22,90 EUR.


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