Keine Ahnung Lexikon des Unwissens Von Kathrin Passigm und Aleks Scholz
Es ist des Autors edelstes Ziel, auf die Fragen des Daseins Antworten zu geben. Doch es bedarf wahren Mutes zuzugeben, keine Antworten zu kennen. Kathrin Passig und Aleks Scholz haben dem Nicht-Wissen gar ein ganzes Buch gewidmet, das „Lexikon des Unwissens“. „Worauf es bisher keine Antworten gibt“ lautet der Untertitel. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass das Gähnen für die Wissenschaft ein Rätsel darstellt!? Kein Scherz. Meist wird Gähnen auf Müdigkeit oder Sauerstoffmangel zurückgeführt. Warum aber gähnen oft Spitzensportler direkt vor einem Wettkampf – obwohl sie sich bestimmt nicht über Langeweile, fehlende Anspannung oder Sauerstoffmangel beklagen können? Oder warum werden Blätter im Herbst braun? Die Autoren führen die in der Biologie gängigsten Theorien auf, Theorien, die durchaus als Schulbuchweisheiten anerkannt sind. Nur lässt sich keine der Theorien tatsächlich zu 100 Prozent beweisen, wie der verdutzte Leser erfahren darf. Gerade die Artikel über Alltäglichkeiten wie Erkältungen, die der Medizin nach wie vor mehr Fragen als Antworten liefern, machen das Buch durchaus lesenswert – nur die Mischung aus populärwissenschaftlichen und spezialisierten Unwissen ist nicht stimmig. So ist der Artikel über das Voynich-Manuskript hoch interessant, die Frage, die die meisten Leser jedoch bei der Lektüre des Kapitels stellen werden, lautet vermutlich: Was für ein Manuskript? Gleiches gilt für das P/NP-Problem, ein mathematisches Konstruktum, dessen Lösung den Lösenden um eine Million Dollar reicher machen würde – diesen Preis hat ein Institut ausgesetzt. Aber, zum Teufel: P/NP? Da muss bei der Lektüre wohl Wikipedia als Begleitmedium herhalten. Das aber macht das Lesen manchmal etwas anstrengend.
- Christian Lukas
Kathrin Passigm, Aleks Scholz
Kathrin Passigm, Aleks Scholz: „Lexikon des Unwissens“. Rowohlt Berlin, Berlin 2008. 254 Seiten. 16,90 Euro.