Meditativ, introvertiert und dramatisch: eigentlich sollte man das Album des Amerikaners John Shannon erst im Herbst besprechen, denn seine Stimmung passt wunderbar in die Zeit, in der sich Welt ein Nest für den Winter baut. Doch Shannons Longplayer American Mystic erscheint im Sommer und ist so verführerisch, dass er auch dringend in Zeiten der Unbeschwertheit empfohlen werden muss. Freunde von Künstlern wie Jeff Buckley oder Nick Drake finden hier die Musik eines Seelenverwandten, der mit samtiger Stimme Lieder singt, die sich mit unaufdringlicher Emotion tief ins Bewusstsein einschleichen. Musikalisch begleitet wird sein Gesang von seinem perfekt gezupften Akustikgitarrenspiel, das niemals aufdringlich den Raum um seinen Gesang einnimmt. Ein tragisches Kleinod aus dem Genre Singer/Songwriter, dessen Kraft sich erst nach mehrmaligem Hören voll entfaltet.