Ob nun Bedenkenswertes geboten wird oder gar ein ans Gemüt gehendes Teil, das zum massenhaften Mitgröhlen anregt (etwa Zehn kleine Jägermeister), die Toten Hosen halten diese Machart seit 25 Jahren durch und fahren gut damit. Auch die neue CD ist so aufgebaut. Trotzdem klingt vieles ganz anders als bisher gewohnt.
Es ist nicht die Musik, da sind nur Kleinigkeiten anders. Starkes Schlagzeug, kräftige Gitarren, doch dazu kommen Balladen und da staunt man, wie das passt, wenn die Burgschauspielerin Birgit Minichmayr im Duett singt (Auflösen). Dieser Song ist beeindruckend. Locker und luftigleicht, die Instrumentierung ist sehr zurückhaltend und Sänger und Texter Campino bietet da mit der Birgit Minichmayer und ihrer Knarzstimme ein Liebeslied der anderen Art. Für die feinen, ja fast ziselierten Stücke des Albums trifft dies generell zu und erstaunt und erfreut Ohr, Hirn und Herz.
Hier hört und spürt man Altersweisheit, und die politischen Eindeutigkeiten treten in den Hintergrund. Ein wenig ist dieses neue Album so wie das im jahre 1996 erschienene Opium fürs Volk. Sauf- und Spaßlieder sind diesmal nicht angesagt; es ist eine bedrückende Studie der Gegenwart, die einem geboten wird. Mehr als nur eine CD des Monats! Nicht immer im Sinne des Albumtitels "In aller Stille".