Karlovy Vary hat über 70 heiße Quellen (vary heißt auf Deutsch "kochend"). Zu Heilzwecken werden aber nur zwölf alkalische Glaubersalzthermen genutzt, die schon seit einigen Jahrhunderten von Heilungssuchenden zur Behandlung allerlei Krankheiten und Zipperlein aufgesucht werden. Schon der alte Goethe besuchte die Stadt an der Teplá mehrfach und stieg nach erfolgreicher Trinkkur den besonders jungen Damen hinterher. Denn nicht nur die Kranken fanden und finden ihr Vergnügen in diesem Kurort. Der weltberühmte, von einem englischen Chemiker während seines Kuraufenthaltes zusammen gebraute Kräuterlikör Becherovka wird allgemein als 13. Quelle des Ortes bezeichnet. Da man in Tschechien nicht zum Essen trinkt, sondern zum Trinken isst, sorgt der Kräuterlikör (seinetwegen wurde der Underberg erfunden), genauso wie das wunderbare tschechische Bier, für eine lockere und beschwingte Atmosphäre.
Das gesamte Kurzentrum mit seinen überwiegend restaurierten Bauten ist eine Augenweide. Das offenbart sich einem, sobald man dem 1976 erbauten Hotel Thermal, einem 16-stöckigen Betonklotz am nördlichen Rand des Kurgebiets, den Rücken kehrt. Die prächtigste aller Straßen ist die "Stará Louka" (Alte Wiese), eine belebte Promenadenstraße mit zahlreichen Geschäften und wirklich guten Restaurants (eines hat seine Tische sogar auf einer Brücke über der Teplá aufgebaut). Der berühmte Architekt und Designer Le Corbusier sah in den Bauten am Flussufer "eine Reihe von Torten, alle vom gleichen Stil und der gleichen Eleganz".
Während der Zeit des Sozialismus versank Karlovy Vary in einer Art muffigen Dornröschenschlaf und gammelte leise vor sich hin. Mit dem Untergang der Tschechisch-Slowakischen Staatengemeinschaft und dem Ende der dirigistischen Planwirtschaft entdeckten einige Investoren, was für eine Bilderbuchgoldgrube sich dort im Westen der neuen Tschechischen Republik befand. Vor allem russische Investoren sorgten mit reichlich Geld für die unglaublich pompöse Rekonstruktion und Auferstehung aus dem Verfall. Entsprechend sind, sehr zum Unmut der Einheimischen, die Preise für Immobilien mittlerweile in astronomische Höhen geschnellt.
Neben dem russischen und arabischen Geld- und Öladel, der besonders gerne in den traditionsreichen Fünf-Sterne-Nobelherbergen "Grandhotel Pupp" und "Westend Savoy" absteigt, kommen zumindest einmal im Jahr die Schönen und die Reichen in Scharen aus dem Rest der Welt in den kleinen Kurort. Jedes Jahr im Sommer lockt das internationale Filmfestival die Stars und Sternchen ins Tal der Teplá. Da trifft man schon mal Gérard Depardieu auf der Straßenterrasse des Hotelrestaurant "Krasna Kralovna" (Schöne Königin) oder Sharon Stone im Casino des "Grandhotel Pupp". Auch Nachtschwärmer kommen auf ihre Kosten. Der Club "Rotes Berlin" oder die "Cocktail Bar Mañana" sind die Hotspots der Szene.
Nach dem Festival kehrt wieder die ruhige Gelassenheit in Karlsbad ein, die eine Reise dorthin so angenehm macht. Das Klima ist angenehm, die Hotels und Restaurants bieten gehobenen Standard, aber zu verhältnismäßig günstigen Preisen. Wer einmal in einem richtig aufwändig restaurierten "Grandhotel" zu normalen Preisen wohnen möchte, der sollte im "Parkhotel Richmond" (www.richmond.cz) mit Blick auf den Fluss absteigen. Der Ort und die Umgebung bieten eine unvergleichlich schöne und romantische Natur, die zum Wandern, Mountainbiken oder Golfspielen einlädt.
Auch im Herbst lohnt eine Reise nach Karlovy Vary. Das traditionelle Musikfestival "Dvoøáks Karlsbader Herbst" z. B. erinnert alljährlich an den Aufenthalt des berühmten Komponisten im Kurort. Im Oktober beschäftigt sich das Filmfestival "Tourfilm" mit dem Thema Reisen und im November gibt es einen Internationalen Gesangswettbewerb. Viele Hotels bieten gerade im Herbst besonders günstige Wellness- und Verwöhnangebote (www.hrs.de). Vom Rheinland ist Karlsbad genauso weit entfernt wie Hamburg. Eine Fahrt für ein verlängertes Wochenende lohnt wirklich.
Weitere Informationen, Angebote, Veranstaltungen und eine Webcam gibt es auf der Internet-Seite www.karlsbad.cz