Nach einer Legende habe Odysseus Lissabon gegründet, Historiker halten die Stadt an der Mündung des Tejo in den Atlantik für eine ehemalige Niederlassung der Phönizier, was ein bisschen wahrscheinlicher ist: ideale Lage am Fluss Tejo, geschützt und dennoch quasi im Atlantik. Zwischen den Hügeln des "Castelo de Sao Jorge" und dem Park "Miradouro Sao Pedro de Alcantara", zu dem der ruhmreiche Aufzug "Elevador de Gloria" führt, pulst das Leben inmitten pittoresker Altstadtviertel. Treppen und steile Straßen verändern im Nu die Perspektiven. Die Stadt hat noch einige Aufzüge in Betrieb, darunter den gotisch wirkenden Stahlkoloss "Elevador de Carmo", der Unter- und Oberstadt miteinander verbindet. Seine Aussichtsplattform liefert einen der schönsten Ausblicke auf die Stadt, das Meer und den Platz "Rossio" mit seinem spezifischen Wellenmuster.
Viele Straßenbahnlinien wurden eingestellt, nicht jedoch die "electrificos" in den extrem hügeligen Altstadtkernen wie der "Alfama". Ein schöneres Spektakel kann man sich kaum vorstellen, wenn einem die Gegenlinie entgegenkommt und eigentlichen keinen Platz zum Passieren hat. Alle paar Minuten bleibt die Tram stecken, weil irgendein Auto die Gleise blockiert. Dann wird in aller Ruhe der Fahrer ausfindig gemacht und weiter geht’s. Wer sich hinauslehnt, lebt gefährlich. Ein unvergleichliches Erlebnis, was kaum ein öffentliches Verkehrsmittel mehr bietet.
Eine freundliche Stadt, die sich ihre Gemütlichkeit bewahrt hat, was spätestens am Abend deutlich wird, wenn vor den Restaurants, die manchmal das Ausmaß einer besseren Herrentoilette haben, die Köche auf dem Grill die Fische wenden. Das charmante "Bairro Alto" reizt jede Nacht zu Drink und Talk in den uralten Straßen. Natürlich lädt der berühmte Nationaltanz Fado in viele Bars. Ausflüge zum Strand von Estoril oder zum "Torre de Belem", wo die Portugiesen die Einfahrt in den Tejo bewachten, sind erlebnisreich.
- Jürgen Schild