Hauptstadt? Ja, die des Burgenlandes. Eisenstadt wurde 1925 zur Landeshauptstadt des Burgenlandes erhoben, und sie nimmt sich als 12.000 Einwohner-Gemeinde immer noch wie ein mittlerer Bezirkshauptort aus. Man lebt bedächtig. Samstags um zwölf sperrt alles zu, und wenn einem auf den Straßen der Haydn-Stadt dann noch ein Passant begegnet, möchte man ihn vor Erleichterung umarmen. Da gibt es keinen Besucherstau wie in der Getreidegasse der Stadt Salzburg.
Wer in Eisenstadt traurig werden will, kann das jüdische Viertel aufsuchen. Es ist ein "europäisches Unikum". "Unterberg-Eisenstadt" bestand von 1732 bis 1938 durchgehend als eigenständige, jüdische Gemeinde. 31 dicht gesetzte Häuser, am Ende von 446 Juden bewohnt, von einem eigenen Bürgermeister regiert.
Unmittelbar nach dem "Anschluss" im April 1938, als aus Österreich die Ostmark wurde, mussten die Eisenstädter Juden fort. Als im Novemberprogrom desselben Jahres die Hauptsynagoge verwüstet wurde, tobte sich der Mob in einer Stadt ohne Juden aus. Heute leben noch zwei jüdische Familien in Eisenstadt. Wo die Synagoge war, ragt der nüchterne Neubau einer Versicherung in jene Höhe, die Versicherungen brauchen, um zu wirken. Der alte jüdische Friedhof, auf dem der berühmte Rabbi Meir Ben Isak Eisenstadt begraben liegt, ist hinter einer Spitalsgarage verborgen. Man verlangt dort: NOTARZTWAGEN! AUSFAHRT FREIHALTEN!
Der Friedhofseingang ist abgesperrt. Den Schlüssel kann man sich im Jüdischen Museum des liebevoll renovierten Wertheimer-Hauses holen. Draußen hängt die "Schabbeskette", mit der die Gemeinde am Sabbat fahrende Händler samt Fuhrwerk ferngehalten hat. Eine Museumsmitarbeiterin warnt: "Der Friedhof ist ganz verwachsen, es könnt‘ Sie eine Schlange beißen."
Heute ist das jüdische Eisenstadt eine museale Einrichtung, alles ist "Vergangenheit". Den Friedhof selbst hatten die Nazis verwüstet. Die Grabsteine wurden zum Teil als Panzersperren in Eisenstadt verwendet. Der Friedhof wurde, Schritt um Schritt, wieder hergestellt. Es dauerte bis 1988. Aber auch dann fanden die Toten keine Ruhe. Grabsteine wurden umgeworfen, mit Hakenkreuzen und den Todesrunen der SS besudelt.
Es gibt aber ebenso schöne Orte in Eisenstadt, da sollte man heiraten. Da bietet sich zum Beispiel Haydns Bergkirche an, die hat die richtige Größe und hat sich bewährt. In der Orangerie von Schloss Esterházy kann man dann sehr vornehm tafeln, die Preise sind erträglich, und im Schlosspark ließe sich eine Braut aufs Malerischste stehlen. Außerdem ist das Schloss der Esterházys sehenswert. Erbaut in den Jahren 1663 bis 1672 vom italienischen Barockbaumeister Carlo Martino Carlone blieb es bis zum heutigen Tag unverändert. Nur um 1800 kam eine streng klassizistische Gartenfront hinzu. Gleichzeitig mit dem Schloss wurde auch die heutige Hauptstraße errichtet. Es ist die zentrale Straße der Stadt. Das Rathaus als Gegenstück zum Schloss ist ein bemerkenswerter Renaissancebau.
Natürlich kann man in Eisenstadt die eigene Joseph Haydn Forschung vorantreiben. In der Haydngasse Nr. 21 lebte der große Komponist. Zu seinem Arbeitsplatz im Schloss - er war Angestellter der Fürsten - hatte er keinen weiten Weg. Wer den Innenhof des Schlosses besichtigt, kann rechter Hand in den "Haydn Saal" kommen. In diesem Festsaal der fürstlichen Familie gab der Komponist seine Vorstellungen. Wer Zeit hat, sollte unbedingt den 50 Hektar großen Schlosspark besichtigen, den der Hofgärtner Matthias Pöltl im Jahre 1754 in einen französischen Park verwandelte. Natürlich gibt es in der Joseph Haydn Gasse Nr. 21 ein kleines Museum. Der Komponist lebte dort von 1766 bis 1778. Das Haus brannte zweimal ab, und zweimal half der Fürst seinem Hofkapellmeister, damit sein Wohnhaus wieder aufgebaut werden konnte. In dem Museum erinnern viele Ausstellungsstücke an den Komponisten, aber auch Andenken an Franz Liszt und die aus Eisenstadt stammende Tänzerin Fanny Elßler sind zu besichtigen.