Ein intaktes Altstadtbild dieser Größenordnung ist in Europa schwerlich zu finden. Man ist versucht, vor jeder der Hausfassaden zu verweilen, um die barocken Verzierungen zu betrachten. Dächer, Erker, Portikos, Säulen, Wandgemälde, Lauben und Arkaden sind nicht nur postkartenreif, sondern auch fein gepflegt wie neu. Natürlich lockt den Besucher zuerst der Altstädter Ring mit Hus-Denkmal zwischen Teyn-Kirche und Rathaus, an dessen Astronomischer Uhr sich ebenso Japaner wie Ukrainer und Holländer treffen und zur vollen Stunden das Glockenspiel (eher bescheiden) und die Parade der Apostel bestaunen. Beliebig, welche vom Ring ausgehende Straße man wählt; man flaniert prächtig auf den Fußgängerzonen zwischen Andenkenläden, Restaurants mit Gärten und Innenhöfen sowie einladenden Cafés wie Kneipen, deren altertümliches Interieur Gemütlichkeit verspricht. Hat man wenig Zeit, sollte man vom Altstädter Ring flugs von der Astronomischen Uhr am Rathaus über die Karlova-Gasse am Klementinum vorbei zur Karlsbrücke wandern. Diese erste Brücke Prags, im Lauf der Jahrhunderte bestückt, atmet das Flair des Mittelalters trotz endloser Besucher-Ströme. Über die Moldau, die an dieser Stelle schicke Lokalitäten bietet, gelangt man auf die pittoreske "Kleinseite". Wer Luft hat , kann sich auf den Anstieg zum Hradschin machen, der gigantischen Prager Burg mit der Goldenen Gasse, wo Kafka gewohnt hat und die Alchimisten ihren Traum versuchten.
Kurz zum körperlichen Wohl. Prag ist die Traumstadt gepflegter Toiletten-Kultur, für deren Anlagen man zwar hin und wieder einen Obulus entrichtet, dafür aber auch würdevoll verrichtet. Die Preise sind äußerst moderat, Biertrinker schwelgen im Dorado. Gehobene Küche, auf landesüblichen Produkten (deftig, deftig – nichts für Diäter) basierend, bietet zum Beispiel die Kette "Kolkovna Group", deren Toprestaurant "Celnice" auf dem Namesty Republiky (Metro und Platz) östlich des Pulverturms und des gigantischen Jugendstil-Gemeindehauses "Obecni" Ruhe und Aussicht bietet.