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Mittwoch, 22. Februar 2006 14:56
Prag – Goldene Stadt an der Moldau

Um alle Facetten der tausendjährigen Kaiserstadt zu entdecken, bräuchte man Wochen. Um sie wirklich zu verstehen, Jahre. Genießen kann man Prag aber auf Anhieb! Prag ist eine Stadt im Wandel, eine Stadt auf dem Weg zu einer neuen Identität im Herzen Europas und innerhalb der EU. Die Tristesse aus der Zeit des Sozialismus ist passé und das Grau der Fassaden fast überall übertüncht. Das Attribut "golden" trägt Prag wieder zu Recht. Farbenfroh und lebenslustig präsentiert sich das Zentrum heute. Anteil daran haben die Millionen Besucher aus aller Welt. Ein kurzer Spaziergang mit Jörg-H. B. v. Grass


Prag präsentiert seine Reize großzügig. Die erhabene Burg, hundert Türme und Kuppeln, verschlungene Gassen und prächtige Straßenzüge mit Bauten aus der Gründerzeit. Aber nicht nur die Vergangenheit ist an allen Ecken und Enden zu spüren, auch die Gegenwart. Die Stadt präsentiert sich als eine weltoffene, pulsierende Metropole, die voller Optimismus in die Zukunft blickt.
Diesen Optimismus teilen aber nicht alle Bewohner Prags. Während sich in trendigen Cocktailbars und prächtigen Jugendstil-Cafés neureiche Oberschichtler und Touristen verlustieren, sitzen die einfachen Arbeiter in den immer noch grauen Außenbezirken, in verrauchten Eckkneipen, dichtgedrängt beim Pivo, dem köstlichen tschechischen Bier. Sie diskutieren über die neusten Preissteigerungen und die unerreichbare Welt des ungebremsten Konsums. Ihre Frauen durchwühlen die Wäscheberge in den unzähligen Secondhandläden und können nur von der Hochglanzwelt träumen.
Prag ist überschaubar. Die meisten Sehenswürdigkeiten, darunter die Prager Burg, der Altstädter Ring (Staromìstské námìsti), die Karlsbrücke, der Wenzelsplatz und der Jüdische Friedhof liegen in den historischen Stadtteilen Hradèany und Mal Strána westlich der Moldau und Staré Mìsto (Altstadt), Josefov und Nové Mìsto (Neustadt) östlich der Moldau. Sie alle lassen sich problemlos zu Fuß erkunden.
Von prunkvollen Hotels, die keinen Komfort vermissen lassen, bis zur angeschmuddelten Absteige ist alles vorhanden. Alternativ dazu findet man noch Apartments und Privatzimmer. Trotz enormer Kapazitäten kann es in der Hauptsaison im Sommer und bis in den Herbst hinein, aber auch jetzt zu Ostern, eng werden. Ostern gehört zu den Topsaisons, zu denen die Hochsaisonpreise gerne noch einmal bis zu 30% angehoben werden können. Frühzeitig buchen lohnt also, denn ansonsten schläft man irgendwo in der Peripherie zwischen sozialistischen Plattenbauten. Beste Angebote mit unschlagbar niedrigen Preisen bietet www.hrs.de.
Das touristische Zentrum Prags bietet eine fast unglaubliche gastronomische Vielfalt. Restaurants schossen in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden. Besonders an der so genannten "Silver Line", einer durch die ganze Stadt gehenden Markierung auf dem Bürgersteig, die dem Touristen alle Sehenswürdigkeiten wie Perlen auf einer Kette präsentiert, gibt es sehr viele, sehr teure und teilweise auch sehr schlechte Restaurants, Kneipen und Cafés. Diese Läden sind für Einheimische absolut tabu. Wer bessere Qualität, gute Preise und auch ein paar Tschechen finden möchte, der sollte sich etwas abseits der riesigen Touristenströme halten. Manchmal ist es nur um die Ecke und man zahlt für das gleiche Gericht, bei besserer Qualität, teilweise 70% weniger.
Auch in Hinsicht auf Veranstaltungen und Kultur ist Praha Weltklasse. Klassische Konzerte, Ballet, Theater – jeden Abend stehen unzählige Events in prunkvollen Opernhäusern, Kirchen und Konzertsälen auf dem Programm. Berühmt ist Prag aber auch wegen seiner Jazzclubs, rockenden Revival-Bands, Avantgarde-Sessions und Festivals. Auf irgendeiner Bühne brummen bestimmt ein paar Verstärker. Ohnehin steht dem Clubbing bis zum Morgengrauen in Prag nichts im Wege, denn eine Sperrstunde ist unbekannt. Einen Überblick über die wichtigsten Veranstaltungen geben die "Prager Zeitung" und die "Prague Post".
Tickets für kulturelle Veranstaltungen kann man überall in der Innenstadt an diversen Vorverkaufsstellen erstehen. Die Preise sind deutlich niedriger als bei uns. Für eine Theaterkarte sollte man 3-20 EUR einplanen, für die Oper oder das Ballett 2-70 EUR. Klassische Konzerte kosten mindestens 10-15 EUR. Bei Rock- oder Jazz-Konzerten kommt man, je nach Bekanntheitsgrad der Künstler, zwischen 6 und 35 EUR davon. Wer eine Karte für ein klassisches Konzert erstehen möchte, der sollte direkt zu den Konzerthallen gehen und die als Mozart verkleideten Straßenhändler meiden. Die stehen in dem Ruf, völlig überteuerte und teilweise auch gefälschte Tickets zu verkaufen. Auch Vorverkaufsstellen versuchen natürlich zuerst die teuersten Karten loszuwerden, denn die geben mehr Provision – daher lieber direkt zur Konzerthallenkasse.
Eins ist auf jeden Fall sicher: Prag ist immer und zu jeder Jahreszeit eine Reise wert.


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