"Morgen gehts" sagt der freundliche peruanische Mechaniker in San Celoni und beschert uns damit neben einer Nacht im Industriegebiet das Erlebnis der "Festa Mayor" im Ort inklusive des katalonischen Tanzes Sardana. Die Tänzer fassen sich im Kreis an den erhobenen Händen, bewegen sich links und rechts herum, in wechselndem Tempo, meist langsam, konzentriert und ernst. Und sterbenslangweilig für die Zuschauer. Wieso hat Diktator Franco das als nationales Symbol der Katalanen verboten, so einschläfernd, wie es wirkt?
Einen eigenen Staat fordern viele Katalanen. Sie führen dafür nicht nur die eigene Sprache und Kultur an sondern auch, dass es ein eigenständiges Katalonien lange gab: 1137 entstand durch die Ehe zwischen dem Graf von Barcelona und der einjährigen Erbin Aragoniens, ein Staat, der im Mittelalter die führende Macht des westlichen Mittelmeerraumes war. Ein National-Tier haben sich die Katalanen vor einigen Jahren erwählt: Der Esel – el burro, in gleicher Pose wie der Stier, der das Sinnbild Spaniens ist – und den er karikiert. Er begegnet einem vor allem als Autoaufkleber.
In Figueres besichtigten wir das schräge Salvador-Dali-Museum. Hier liegt Dali auch begraben, obwohl er selbst auf Schloß Púbol beerdigt sein wollte bei seiner vergötterten Frau und Muse Gala. Er hat sich erst auf dem Sterbebett umentschieden, leider gab es dafür nur einen Zeugen, ausgerechnet den Bürgermeister von Figueres.... Schloß Púbol hatte Dali umgebaut, ausgestattet und seiner Gala geschenkt, da ist sie bereits über 70. Aber sie empfängt dort vor allem ihre Liebhaber. Dali erhält nur Zutritt auf ihre schriftliche Einladung hin.
Beschaulich ist Dalis Wohnhaus in Portlligat: nur ein paar Häuser drücken sich in den Hang einer stillen Bucht. Das Haus wurde aus mehreren Fischerhütten zu einem ganzen verwoben und strotzt vor Kuriositäten.
Die Costa Brava ist ein Mix aus breiten Sandstränden und Felsenküste. Dazwischen befinden sich häßliche Touristenburgen wie Platja d'Aro oder Lloret de mar, die aber leicht zu umfahren sind. Bei St. Pere Pescador campen wir am Naturschutzgebiet (doch die Mücken darf man totschlagen). Hier finden wir unseren Lieblingsstrand, den wir - es ist schon September - nur mit ein paar Kite-Surfern, Spaziergängern und Nackt-Badern teilen.
In Barcelona begegnen wir den faszinierenden Bauten des Architekten Antoni Gaudi, sehen das 1906 entstandene Casa Battlo. Gaudi konzentrierte sich später ganz auf den Bau der Kirche "Sagrada Familia". Auf dem Weg dorthin wurde er 1926 von der Straßenbahn angefahren. Aufgrund seines ungepflegten Äußeren erkannte man ihn nicht und er verblieb wohl eher unversorgt drei Tage im Armenkrankenhaus – was ihn das Leben kostete. (Was lehrt uns das, Frau Ulla Schmidt?)
Sehr vorsichtig treten wir den Rückweg an, denn der Bus ist von meiner Liebsten bis unter die Decke mit Keramik vollgestopft worden. Da streikt unser Bus schon wieder, diesmal der Anlasser. Die ewige Werkstattsuche vom Hinweg noch vor Augen rufe ich den ADAC an. Schon nach einer Stunde rufen die zurück, haben einen Termin in einer nahen Werkstatt ausgemacht, für sofort !! Ich weiß bis heute nicht, wie.