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Im Kaffeesatz der Zahlen entdeckten die Erbsenzähler eine scheinbare Gesetzmäßigkeit. Wenn Thorben Marx in der vergangenen Saison fehlte, gab es böse Niederlagen: 0:3 in Dortmund, 0:4 gegen Wolfsburg, 1:6 in Hannover. In sieben Spielen ohne ihn gab es nur einen Sieg. Da war man dem ehemaligen Bielefelder schon fast dankbar, dass er gegen die Hessen verletzungsbedingt nicht dabei war. Nun also verstand man die Klatsche. Ohne Marx konnte es nicht klappen, denn der erfahrene Mittelfeldspieler sollte das Synonym für Struktur und Ordnung sein. Eigentlich hätte Borussia deshalb auch gar nicht erst antreten müssen, schließlich lügen Zahlen nicht. Und obendrein hätte man ein um zwei Treffer besseres Torverhältnis - falls die DFL das Spiel nur mit 0:2 angerechnet hätte.
Ein-Wochen-Marxismus
Der Marxismus hielt sich aber nur eine Woche. Und wurde dann von den sieben Schwaben(-Toren) pulverisiert: Mit dem vermeintlichen Ordnungshüter ging der Gast vom Niederrhein mit 0:7 beim VfB Stuttgart unter. Zum Glück führten die Statistiker nicht ins Zahlen-Feld, dass diesmal Marx dabei war, aber Engels fehlte. Geschichtsträchtig gestaltete sich der Trip ins Ländle aber dennoch: Borussia stellte den Rekord der höchsten Bundesliga-Niederlage (1966 ein 0:7 auf dem Bökelberg gegen Werder Bremen) ein. Und ebenso gab es erneut den Versuch, scheinbar Unfassbares in Worte oder besser in Zahlen zu fassen.
0 gegen 11
Und der war im Gegensatz zu allen sportlichen Bemühungen zuvor sogar gelungen in seiner Schlicht- und Wahrheit: "0:11" nannte Tobias Levels die Kräfteverhältnisse auf dem Feld. Kein Gladbacher gegen elf Stuttgarter - da konnte man mit "nur" sieben Gegentoren eigentlich noch ganz zufrieden sein. Zumal die keinen Borussen sich auch sehr einsam und verlassen gefühlt haben müssen. Denn gemeiner Weise haben die VfBler das Spielfeld "größer" gemacht, wie Levels feststellte. Da kann man sich schon mal verlieren und dann eben auch das Spiel verlieren.
Statistik zwecklos
So ähnlich sah es auch der zurückgekehrte Gralshüter der Ordnung - nämlich nichts. "Es war keine Mannschaft auf dem Platz", monierte Thorben Marx. Da konnte er ja auch nichts verbessern gegenüber der Frankfurt-Pleite: Einem Nichts kann man keine Struktur verleihen. Entsprechend kurz wird dann auch die Spielanalyse von Trainer Michael Frontzeck ausgefallen sein. Was soll er denn eine Statistik des Grauens präsentieren mit Fehlern des Torhüters, Logan Bailly, mit Fehlern der Außenverteidiger Levels und Filip Daems, mit einem von einer Verlegenheit in die nächste taumelnden Innenverteidiger Roel Brouwers und seinem Nebenmann - dem normalerweise unfehlbaren Dante, der sich diesmal aber anstecken ließ und Teil des Infernos wurde. Was sollte er über einen apathischen Arango lamentieren, einen sich erneut als Einzelkünstler versuchenden Marco Reus oder einen zu grünen Patrick Herrmann. Oder einem normalerweise dominanten Sechser-Duo Marx/Bradley, das diesmal die Rolle der Unterwürfigen spielte: jeder Treffer ein Peitschenhieb. Bei elf Nullern, bei kollektiver Nichtanwesenheit, nach einem 0:7 durch ein 0:11 macht das Aufarbeiten keinen Sinn.
Eine Qualität hat die Mannschaft aus der letzten Saison rübergerettet: noch immer produziert sie häufig Spektakel. Doch zunehmend auf eigene Kosten. Und zum Ergötzen der Gegner und seiner Fans. Wie Sportdirektor Max Eberl und auch Frontzeck richtig erkennen, kann man mit einem kollektiven Nichts nicht in der Bundesliga bestehen. 7:15 Tore nach den ersten vier Saisonspielen sind - nicht nur für professionelle Erbsenzähler - bemerkenswert. Zumal das Alibi einer neuen Mannschaft und der dann berechtigt einzuklagenden Geduld fehlt. Bis auf Mo Idrissou spielten nur alte (Pardon Patrick Herrmann und Marco Reus) Kameraden. Und der ehemalige Freiburger kann wohl kaum dafür herhalten, ein gefestigtes Ensemble gesprengt zu haben. Frontzeck muss die Nullen wieder zusammensetzen. Und irgendwo den Mehrwert wiederfinden. Denn Null mal elf bleibt Null.
-Bernhard Kütter
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