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Auch von Torhüter Manuel Neuer war er nicht mehr aufzuhalten: Der Druck, endlich wieder ein Tor zu machen, entlud sich in einer unglaublichen Energieleistung: Womöglich hätte auch die restliche Schalker Mannschaft Bobadilla nicht mehr aufhalten können, selbst wenn sie sich zu einer Mauer auf der Torlinie aufgebaut hätten.
"Raul setzt sich selbst unter Druck", weiß Michael Frontzeck. "Er ist ein junger Spieler, der immer alles gibt. Heute hat er sich selbst belohnt", freute sich Borussias Trainer mit seinem Stürmer-Talent. Erst 22 und weit davon entfernt, ein fertiger Spieler zu sein.
Das 1:1 gegen Schalke war erst sein viertes Saisontor, und keinen wurmt das mehr als den ehrgeizigen Stürmer. Bobadilla, der aus einfachen Verhältnissen kommt, muss sich nicht nur sportlich von der Schweizer Liga an die harten Bedingungen der deutschen Bundesliga gewöhnen. Dem Südamerikaner fällt es auch mental und sozial schwerer als manch anderem Profi, sich in die neue Umgebung einzuleben.
Der argentinische "Büffel" ist ein Herdentier, ein Familienmensch. Nicht zufällig prangen auf seiner muskelbepackten Brust die Porträts seiner Eltern: rechts Vater Victor, links Mutter Elvira. Er muss seine Familie auch am Niederrhein um sich haben. Er braucht die Nestwärme, ihre Unterstützung. Und wenn seine Schwestern Claudia Lorena und Paola Noemi samt Ehemännern Matia und Exequiel sowie die Neffen Augustin, Yonatan, Joaquin und Nichte Yamila zusammen sind ist die Büffel-Familie perfekt. Und leistet auch in schwierigen Zeiten ganz praktische Hilfen. Raul Bobadilla braucht zurzeit, und wohl auch noch die kommenden Monate, eine Fahrhilfe. Einen Chauffeur.
Auch beim Autofahren hat er es nicht so sehr mit dem Bremsen. Dazu brachte ihn allerdings die Mönchengladbacher Polizei nächtens in der Altstadt, bei seinen persönlichen Feierlichkeiten im Anschluss an das Remis beim 1. FC Köln. Das war ihm etwas Alkohol wert, die Polizisten maßen 1,1 Promille, und auch seinen Führerschein. Der ist erst einmal weg, und bald auch eine hohe fünfstellige Euro-Summe.
Vize-Präsident Rainer Bonhof hofft darauf, dass "der Büffel" sich nun die "Hörner abgestoßen hat". Der Verein unterstützt den ab und zu schon mal zu wilden Stier bei der Besinnung: Bobadilla darf demnächst einen Tag in einer sozialen Einrichtung verbringen, als Helfer, nicht als Insasse. Und es soll sich auch nicht um einen Tierpark handeln. "Nur vier Tore, werden etliche Kritiker anmerken: Schließlich hat der Stürmer vier Millionen Euro gekostet. Das war eigentlich ein Schnäppchenpreis, denn nur durch eine langwierige Oberschenkelverletzung war Bobadilla aus dem Fokus etlicher Spitzenklubs gerückt. Die Chance für Max Eberl im Sommer.
Und der Sportdirektor schlug gleich zu. Wer sehen will, der erkennt, dass die Ablösesumme in der Tat eine gute Investition gewesen sein kann, mit Aussicht auf eine sehr gute Rendite. Derzeit richten sie die Begehrlichkeiten anderer Klubs eher auf seine Kollegen Dante und Marco Reus, die stabiler in ihren Leistungen waren. Aber der Argentinier hat noch Luft nach oben: "Ich weiß, dass da noch mehr kommen wird. Das wird in der neuen Saison noch besser sein", verspricht der Jung-Stürmer. "Ich werde weiter arbeiten, damit die Leute dann 100 Prozent Raul Bobadilla sehen werden."
100 Prozente geballte Kraft, Angriffslust, Technik gepaart mit Durchsetzungsvermögen und der puren Lust am Zweikampf. Diese Art von Stürmer sind rar gesät. Und Max Eberl weiß, wie man zu den von Bobadilla versprochenen 100 Prozent noch ein wenig draufsetzen kann: Tuning durch einen weiteren Stürmer. Das funktionierte schon bestens mit Dante, der neben seinen eigenen Fähigkeiten, die er einbringt, auch noch gleich seinen Abwehrkollegen Roel Brouwers mit besser macht. Dieser Tuning-Partner soll auch Stürmer sein, aber ganz anders als das 22-jährige Kraftpaket. Mehr Erfahrung, eine größere Kopfballstärke, eine stabile Torquote, eine fertige Persönlichkeit mit besänftigendem Einfluss auf den argentinischen "Büffel". Die Zähmung des Raul B. steht in der Saison 2010/2011 an. Es könnte eine widerspenstige, aber sehr fruchtbare für den Klub werden.
- Bernhard Kütter / Fotos: C. Albuquerque
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