|
Eine 3:0-Führung in Bochum - das Spiel endete 3:3. Eine 2:4 Niederlage gegen Hoffenheim in der Hinrunde nach einer 2:0-Führung. Ein spektakuläres 4:3 über Werder Bremen, und jüngst ein 2:2 in Hoffenheim, erneut nach 2:0-Führung und einem Handfestival ohnegleichen: Zwei Strafstöße, weitere drei umstrittene Szenen, bei denen ein Elfmeterpfiff möglich gewesen wäre. Borussia steht in dieser Saison für Spektakel. "Das zieht sich wie ein roter Faden durch die Saison. Wenn was passiert, sind wir dabei", hat Max Eberl erkannt.
Der Gladbacher Sportdirektor kann mit diesem neuen Gesicht der Borussia nicht unzufrieden sein. Denn neben dem Entertainement-Faktor bietet der Klub vom Niederrhein diese Saison seinen Fans einen lang vermissten Balsam für die geschundenen Nerven: Der Abstand zu den Abstiegsplätzen ist derart kommod, dass man fast eine Langeweile-Saison befürchten möchte.
Frontzeck: nüchtern und bodenständig
Doch Filip Daems & Co sorgen für Nervenkitzel. Zählt man die unnötig liegen gelassenen oder verpassten Punkte dazu, könnten sich schon fast Schwindelgefühle einstellen. Doch das ist mit dem Trainer Michael Frontzeck kein Thema: Der steht für Nüchternheit und Bodenständigkeit. Was dazu verleiten könnte, seine Fähigkeiten zu verkennen oder zu unterschätzen. "Er muss es im Kopf haben und nicht unbedingt an der Tafel im Sportstudio zeigen", ist Eberl mit dem Defensiv- oder gar Versteckspiel des ehemaligen Verteidigers höchst zufrieden. "Mike ist authentisch. Er gibt seinen Mannschaften ein Gesicht. Das hat er in Aachen, in Bielefeld und jetzt auch in Mönchengladbach geschafft."
Schritt für Schritt
Frontzeck fühlt und kapriziert sich nicht als Gralshüter des modernen Fußballs. Er ist der Architekt der Vernunft, des Machbaren. Und dazu gehört es eben auch, seine Pläne zu zerreißen oder zumindest zu modifizieren. Das 4-4-2 mit zwei Sechsern vor der Abwehr entspricht nicht seiner System-Idee, die er noch zu Anfang der Saison hegte. Doch Frontzeck ist anpassungs- und kompromissfähig. "Auch unsere Anhänger wollen Träumereien nicht mehr haben. Sie wollen wie wir eine Entwicklung Schritt für Schritt."
Frontzecks Handschrift
Und Frontzeck ist der Meister dieser Pragma-Schule. "Es geht doch nicht darum, mein Ego auszuleben", erklärt er seine Anpassungsfähigkeit. "Wenn du eine neue Mannschaft formst, musst du flexibel sein." Und statt seine Vorstellungen vor TV-Kameras wohlfeil darzubieten, konzentriert er sich lieber auf die alltägliche Trainingsarbeit und wiegelt Theorie-Diskussionen weitgehend ab.
Seine Handschrift ist dennoch überdeutlich. Seine Mannschaft bietet häufig auch bei Niederlagen eine bessere Spielanlage als der Gewinner. Was schnell dazu führt, überkritisch mit Arango & Co. umzugehen: Das Potenzial wirklich voll und ungebrochen auszuschöpfen, ist ein zu hoher Anspruch an eine noch in der Entwicklung befindliche Mannschaft. Neue Heimat Mittelfeld. Als Ersatz für Träume bietet Borussia Spektakel an. Kein schlechter Deal.
Weitere Artikel aus diesem Bereich:
Artikel aus anderen Bereichen:
|
|
|