Mit etwas Glück kann der Besucher das Beutelkind – von den Australiern werden diese liebevoll 'Joey' genannt – bei seinen neugierigen Blicken aus dem Beutel seiner Mutter in der Außenanlage entdecken. Bei schönem Wetter riskiert das Jungtier gerne mal einen Blick in die Umwelt. Bis es den Beutel verlassen wird, vergeht noch ein wenig Zeit. Noch weiß Zoodirektor Dr. Wolfgang Dreßen nicht das Geschlecht des Jungtieres: 'Ich hoffe auf einen Mann, denn zur Zeit gibt es in Europa einen Weibchenüberschuss und Männer sind sehr begehrt.'
Er macht gemeinsam mit den Pflegern fast täglich eine Beutelkontrolle. Belisi lässt das gerne über sich ergehen, bedeutet die Kontrolle doch immer ein paar Extra-Erdnüsse. Großmutter Summer im Nachbargehege ist die Stammmutter der europäischen Baumkängurus. Mit ihrem Partner Bud zog sie seit 1994 insgesamt acht Jungtiere erfolgreich auf.
Lange Zeit war der Zoo Krefeld der einzige in Europa mit erfolgreicher Zucht. Auch der frischgebackene Vater Wango wurde in Krefeld geboren. Für ihn importierte der Zoo 2008 das Weibchen Belisi aus dem Zoo Melbourne. Sie soll 'frisches Blut' in die europäische Nachzucht der seltenen Beuteltiere bringen, denn Summer wird mit fast 18 Jahren keinen Nachwuchs mehr bekommen.
Baumkängurus bleiben fast ein ganzes Jahr im Beutel der Mutter. Wenn Sie geboren werden, sind sie nur etwa gummibärchengroß und wandern in den Beutel. Erst nach fünf bis sechs Monaten schauen sie zum ersten Mal aus dem Beutel heraus. Belisis Baby wurde bereits am 15. Oktober geboren, aber erst jetzt ist es zu sehen.
Baumkängurus sind erst sehr spät entdeckt worden. Die Goodfellow Baumkängurus leben nicht in Australien, sondern auf Neuguinea. Da es dort viele bodenlebende Feinde gibt, wählten sich die Kängurus mit der Zeit die Baumwipfel als Lebensraum aus. Durch Bejagung und Rodung des Regenwaldes verlieren die Tiere immer mehr ihren angestammten Lebensraum. Ihre Zahl hat daher in den letzten Jahren drastisch abgenommen. Schutzprojekte sichern den Regenwald und bieten alternative Einnahmequellen zur Wilderei für die einheimische Bevölkerung.